Wettsteinbrücke

Erste Pläne

Während mehr als 650 Jahre konnte eine einzige Brücke den Verkehr zwischen Kleinbasel und Grossbasel bewältigen, dann aber erwies sich ihre Kapazität innerhalb von wenigen Jahrzehnten durch das stetige Anwachsen der Bevölkerung und die zunehmende Bedeutung des Gewerbes als viel zu gering. 1843 legte der Ingenieur Joseph Chaley der Obrigkeit bei einem Kostenvoranschlag von 600'000 Franken einen Entwurf für eine 6,6m breite Kettenbrücke zwischen Harzgraben und Baarmatte vor, und der Strassburger Ingenieur Lecrom veranschlagte ein Projekt, das auf 1,5 Millionen Franken gekommen wäre. Der zum überparteilichen Experten berufene Henri Dufour aus Genf verschmolz die beiden Vorschläge zu einem. Auf eine Verwirklichung wurde aber vorerst noch verzichtet.

Die Dufourbrücke

Vom Januar bis März 1857 stand oder eher schwamm ungefähr an der Stelle der heutigen Wettsteinbrücke eine Pontonbrücke. Henri Dufour - inwzischen General der eigenössischen Armee - befahl den Bau wegen der militärischen Bedrohung durch die Preussen während dem "Neuenburger Handel". Obwohl die Brücke nur kurz stand, führte sie den Baslern vor Augen, wie praktisch ein zweiter Übergang über den Rhein wäre.

Die Wettsteinbrücke wird gebaut

Bau der Wettsteinbrücke
Bau der Wettsteinbrücke 1877. Im rechten Mittelgrund sieht man die öffentliche Badeanstalt, die damals noch unter der Pfalz lag.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 1-26-1
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Erst im Februar 1876 war das Baudepartement unter der Führung von Kantonsingenieur J. Merian-Müller in der Lage, das realisierbare Projekt einer geneigten Harzgrabenbrücke vorzulegen. Nach zweijähriger Bauzeit konnte die Konstruktion der von zwei Strompfeilern getragenen, von den Firmen Ph. Holzmann aus Frankfurt und Gebrüder Benckiser aus Pforzheim gebauten Brücke abgeschlossen werden. Das Modell war 1878 an der Pariser Weltausstellung mit dem goldenen Diplom ausgezeichnet worden. Das imposante Bauwerk, das drei Arbeitern das Leben gekostet hatte, wies bei einer Gesamtlänge von 357,56m eine Breite von 12,60m und eine Steigung von 2,67% auf. An Baumaterial sind verbaut worden: 2340m2 Beton, 14'876m2 Mauerwerk, 940t Schmiedeeisen, 190t Gusseisen und 124'600 Nieten. Der Kostenaufwand belief sich auf stolze 2 Millionen Franken.

Einweihung der Brücke

Am 7. Juni 1879 wurde die neue Brücke feierlich dem Verkehr übergeben. Eine riesige Volksschar umgab Regierungspräsident Rudolf Falkner zur Festrede und spendete begeistert Beifall. Dann ergoss sich unter Kanonenknall und Marschmusik eine riesige Menschenmenge über die Brücke. Bei Dunkelheit erstrahlte das Bauwerk im Licht von 54 Laternen, das eigentlich Festbankettwurde im Kleinbasler Gesellschaftshaus abgehalten. Gekrönt wurde die Brücke erst im Herbst 1880 mit vier monumentalen, etwa drei Meter hohen und fünf Tonnen schweren Basilisken vom Basler Bildhauer Ferdinand Schlöth. Sie wurden auf den vier Widerlagerpfeilern aufgsetzt. Ein Jahr später erhielt das bis dahin "Harzgrabenbrücke" genannte Bauwerk seinen offiziellen Namen, im Gedenken an Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein (1594-1666).

Wettsteinbrücke 1895
Die Wettsteinbrücke um 1895. Gut zu erkennen ist die relative Enge im Vergleich zu heute und die vier Basilisken, die auf den vier Widerlagerpfeilern thronen.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 1-39-1
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt
Wettsteinbrücke 1933
Wettsteinbrücke um 1933. Schöner Blick auf die Stahlkonstruktion und die Brüstungen.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, NEG 3767
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Verbreiterung

Der stark anwachsende Strassenverkehr liess bereits 1896 eine Verbreiterung der Fahrbahn als dringend erscheinen, jedoch wurde sie nicht vollzogen. 1919 musste daher die Maximalgeschwindigkeit für Automobile und Fuhrwerke auf 10 km/h limitiert werden. 1926 wurde ein direkter Verkehrsweg zwischen dem Badischen Bahnhof und dem Güterbahnhof SBB gefordert (Halwilerbrücke), aber stattdessen wurde die Wettsteinbrücke doch verbreitert. 1935 begannen die Umbauarbeiten, und am 4. Juni 1939 fand die Einweihung wiederum mit einem grossen Volksfest statt. Mit dem Umbau mussten leider die vier Basilisken entfernt werden; sie wurden ins Mühletal im Dalbenloch verbannt und fanden schliesslich im Erlenpark, im Hof Schützenmattstrasse 35, in Meggen und in Nyon einen neuen Standort.

Die neue Wettsteinbrücke

In jüngster Zeit bot die Wettsteinstrasse Anlass zu heftigen Kontroversen und zwei Volksabstimmungen; die Brücke war baufällig geworden, was grundelegende Entscheide nach sich zog. Schliesslich wurde im Mai 1990 mit einem knappen Mehr für die von der Regierung beantragte Sanierung durch Bischoff & Rüegg abgestimmt; diese Variante wurde einem Vorschlag eines viel teureren Neubaus durch den spanischen Ingenieur Santiago Calatrava vorgezogen. Die Erneuerung der Wettsteinbrücke dauerte bis 1995, und anschliessend wurde der Basilisk aus den Langen Erlen wieder auf die Brücke gesetzt, und zwar am Grossbasler Brückenkopf.

Schlusswort

Lassen wir abschliessend Jacob Burckhardt sprechen, der 1878 in tiefer Verachtung über die Brücke geschrieben hat: "Ich bin mein Leben lang froh darüber, das ich gegen diese ästhetische Infamie amtlich und öffentlich protestiert habe".

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