Entwicklung der Kartographie

Frühe Formen

Bis zum Ende des 17. Jahrhundert hatten "Landkarten" eher den Charakter eines Gemäldes und vermittelten nur einen ungefähren Eindruck der Topographie und Geographie. Berge oder Städte, die dem Zeichner besonders wichtig waren, wurden detailliert und überproportional dargestellt. Unwichtiges wurde verkleinert oder musste unter Umständen auch etwas zur Seite weichen.

Matthäus Merian, 1593 - 1650
Quelle: Wikimedia Commons
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 Da eine direkte Messung der Luftlinie zwischen zwei Orten nicht möglich war, wurden die Wegstrecken am Boden gemessen. Bei gewundenen oder bergigen Strecken führte dies zu einer Verzerrung der Proportionen.

Die Ausrichtung der Karte wurde gewählt um ein stimmiges Bild zu erreichen. Die frühen Pläne von Basel sind deshalb nach Süden oder sogar Südwesten ausgerichtet, weil dadurch das wichtigere Grossbasel in der oberen Bildhälfte zu liegen kam.

Triangulation, Theodolit, Geodäsie

Erste masstäbliche Landkarten entstanden in Deutschland schon ab 1586, waren aber noch ungenau. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden dann die Instrumente und die mathematischen Verfahren entwickelt, die eine genaue Vermessung von grossen Gebieten ermöglichten.

Einen wichtigen Beitrag leistete z. B. Snellius (Willebrord van Roijen Snell), der 1617 sein Werk über das Triangulationsverfahren (Eratosthenes Batavus) veröffentlichte.

Das zentrale Messinstrument für die Triangulation - der Theodolit - stellt höchste Anforderungen an die präzise Fertigung von mechanischen und optischen Bauteilen. Der erste Theodolit der Neuzeit wurde vom englischen Mechaniker Jonathan Sisson (1690 - 1749) im Jahre 1730 gebaut. Fortschritte in der Feinmechanik (z. B. Uhrenindustrie) und Optik führten im den folgenden Jahrzehnten zu einer stetigen Steigerung der Genauigkeit und Funktionalität dieser Geräte

Carl Friedrich Gauss entwickelte 1795 mit anderen das Verfahren der Ausgleichsrechnung, dass es ermöglichte die unvermeidlichen Messfehler zu reduzieren.

Anfänge der Geodäsie in Europa

Von 1692 bis 1709 entstanden in Vorpommern auf Geheiss des schwedischen Königs die ersten Katasterpläne. Von grossen Gebieten entstanden so die ersten trigonometrisch exakten Landesvermessungen in Europa.

Carte de Cassini, 1746 - 1747
Quelle: Wikimedia Commons
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In Frankreich setzten mehrere Generationen der Familie Cassini die neuen Erkenntnisse um und erstellen von 1733 - 1747 eine genaue topographische Karte von Frankreich im Massstab 1:870'000. Ab 1750 - 1793 entstand dann eine noch genauere Karte im Massstab 1:86400. Die Cassinis waren im selben Zeitraum auch an der Vermessung von Flandern und der Niederlande beteiligt.

Geodäsie in der Schweiz

Die genaue Vermessung der Schweiz nach französischem Vorbild wurde schon um 1753 vom Genefer Micheli du Crest gefordert. Ein ähnliches Projekt schwebte auch dem Zürcher Pfarrer Heinrich Waser vor, der 1780 seine "Gedanken zu Verbesserung der Eydgenössisch- u. vornemmlich Zürcherischen LandCart" formulierte. Diese Ideen schienen den jeweiligen Regierungen zu liberal, ja geradezu umstürzlerisch. Micheli du Crest fiel in Ungnade und endete seine Tage als Staatsgefangener, Waser wurde wegen weiterer liberaler Gedanken sogar enthauptet.

Für eine öffentliches Kartenwerk war die Stunde also noch nicht gekommen. Projekte der Kantone Zürich und Bern zur Herstellung genauerer (geheimer) Militärkarten ihres Gebiets kamen zu keinem Abschluss. Der Seidenbandfabrikant Johann Rudolf Meyer aus Aarau gab zwischen 1796 und 1802 den "Atlas Suisse" heraus, der aber nur ein Zusammenzug der bereits verfügbaren Daten darstellte. Immerhin stellte dieses Kartenwerk einen enormen Fortschritt zur Scheuchzer Karte dar, die schon bei ihrer Veröffentlichung im Jahr 1713 unter Experten als primitiv und ungenau galt.

1838 wurde dann in Genf das "Eidgenössische Topographische Bureau" gegründet, mit dem späteren General Guillaume-Henri Dufour als Vorsteher. Dieses Bureau gab von 1842 bis 1865 die topographische Karte der Schweiz (bekannt als Dufourkarte) heraus.

Moderne Topographische Karten der Schweiz

Unter Dufours Nachfolger Hermann Siegfried entstand dann von 1870 bis 1922 die als Siegfriedkarte bekannte 1:50'000 und 1:25'000 Karte der Schweiz.

Seit 1952 werden die Karten regelmässig erneuert und als "Landeskarte der Schweiz" veröffentlicht.

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