Äussere Stadtmauer

Das grosse Erdbeben beschädigt die Stadt

Das Erdbeben des Jahres 1356, der achttägige Brand und die folgenden Nachbeben suchten die Stadt schwer heim. „Man sol wissen, daz diese stat von dem ertpidem zerstoeret und zerbrochen wart, und beleib enhein kilche, turne noch steinin hus, weder in der stat noch in den vorstetten gantz, und wurdent groesseclich zerstoeret. ouch viel der bruggrabe an vil stetten in. und verbran die stat inrent der ringmure vilnahe allensament, und ze sat Alban in der vostat verbrunnen ouch etwie vil husern.“ Das Unheil hatte somit die ganze Stadt getroffen, überall war ihre Anlage beschädigt oder vernichtet worden. Der Wiederaufbau verlangte riesige Anstrengungen; für den Markt und Handel errichtete man auf dem Petersplatz und in den Vorstädten provisorische Hütten. Bereits im Sommer 1357 waren die gröbsten Arbeiten fertig; bereits 1360 war der Wiederaufbau der Häuser und städtischen Einrichtungen an den alten Strassen und Gassen soweit gediehen, dass nunmehr als nächste Aufgabe das nicht minder dringende Unternehmen der Erneuerung der Stadtbefestigung an die Hand genommen werden konnte.

Eine neue Mauer wird gebaut

Stadtmauer
Die Kleinbasler Stadtmauer beim Theodorsgraben mit der angebauten Allerheiligenkapelle.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 8-61-3
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Wohl nicht zufällig fällt der Beginn dieser über Jahrzehnte sich erstreckenden Arbeit zusammen mit der 1362 unter Bürgermeister Burchart Münch dem Jüngeren von Landskron verfügten Annullierung städtischer Schulden im Umfang von 1100 lb. Man beschränkte sich nicht auf die Reparatur der bisherigen und ungleich beschaffenen Stadtbefestigung, sondern entschloss sich, die Stadt mitsamt allen Vorstädten mit einem einheitlichen neuen Mauergürtel samt Graben zu umgeben, wobei womöglich an einzelnen Stellen alte Teile mit verwendet und lediglich angepasst wurden.

Mit dem Bau der neuen Ringmauer wurden viele Vorteile erreicht: zunächst eine gleichmässige solide Befestigung in allen Abschnitten; sodann Einbezug bisher oder schwach oder gar nicht befestigte Teile – das Dalbeloch, der Bifang der Johanniter und die Häuser und Gärten ze Kolahusern; weiterhin die Ausmerzung des unregelmässigen Verlaufs der alten Verteidigungslinie mit ihren gefährlichen und viel Mannschaft beanspruchenden Einbuchtungen zwischen den Vorstädten St. Alban und Aeschen, Steinen und Spalen; schliesslich die Verlegung in ein günstigeres Terrain, besonders im Abschnitt Steinen-Spalen-St.Johann. Um dieser Vorteile willen hat man verhältnismässig grosse Flächen offenen Landes in den Festungsgürtel einbezogen.

Verlauf der Arbeit

Für den „nuwen graben“ wurde in erster Linie das Mühlenungeld verwendet; die 41 Türme an der Grossbasler Stadtmauer werden erstmals in der Wachtordnung aus dem Jahre 1374 erwähnt. Jeder trug einen besonderen Namen, so sind z.B. überliefert: Wagdenhals, Luginsland, Guckindasnest, Stichdengesellen, Schadegarte, Dornimaug und weitere treffende Benennungen. 1385/86 scheint der Graben vollendet worden zu sein. Nach dem Sieg der Eidgenossen bei Sempach 1386 stiegen die Bauausgaben der Stadt in beträchtliche Höhe. 1387 konnten auf den wichtigen Türmen Wurfmaschinen aufgestellt werden ( Bernoulli ). 1396/97 und zuletzt 1398/99 erfolgten noch Zahlungen für einen Turm. Im Rechnungsjahr 1401/02 fallen die Bauasgaben auf die Hälfte der bisherigen zurück. Die Arbeit an der Stadtbefestigung war abgeschlossen.

Das seit 1392 mit Grossbasel vereinigte Kleinbasel besass nur seine alte Ringmauer mit den beiden Toren (Bläsi- und Riehentor). Darum wurde bei der Armagnakengefahr im Sommer 1444 in aller Eile vor den Mauern Kleinbasels die Errichtung eines Bollwerks, d.h. eines durch Graben und Palisaden geschützten Erdwalls unternommen. Zu dieser Arbeit hatte jeder vermögliche Bürger auf eigene Kosten einen Knecht zu stellen. Wer keinen hatte, durfte statt dessen eine Magd senden. Morgens früh versammelten sich die männlichen und weiblichen Werkleute, die Männer jeder mit einer Haue und einem "Tröglein", Frauen und Töchter ebenfalls mit einem Tröglein zum Wegschaffen der Erde, denn den Stosskarren kannte man noch nicht. Allen wirde bei hoher Strafe geboten, ernstlich zu arbeiten und kein "Narrenwerk" zu treiben.

Beschaffenheit

Von Turm zu Turm zog sich die Ringmauer und der Stadtgraben, beide durch einen Zwischenraum, den Zwingelhof, voneinander getrennt. Hinter der Stadtmauer lief der Rondenweg, auf dem die wachthabenden Bürger ihre Runden machten. Die von Turm zu Turm führenden Mauerstücke oder "Letzen" waren mit Zinnen bekrönt. Über tausend solcher Zinnen zählte das Mauergefüge vom Rhein zu St. Alban bis wieder zum Rhein bei St. Johann. Hinter den Zinnen führte längs der Mauer ein hölzerner Wehrgang. Darauf standen in Zeiten der Gefahr die Verteidiger. Während die vierstöckigen Tortürme die Stadteingänge schützten, dienten die anderen Türme zum Schutz der Ringmauer. Sie überragten die "Letzen" um zwei Stockwerke, über die sich zuoberst ein Zinnenkranz erhob. Von hier aus wurde der auf Leitern gegen die Letzen stürmende Feind mit Pfeilen beschossen. Darum baute man diese Türme auf Armbrustschussweite von einander, so dass auf den herandringenden Gegner aus zwei Türmen zugleich, von links und rechts, die Geschosse flogen. Nach dem Aufkommen der Feuerwaffen bewehrte man die Mauertürme auch mit Handbüchsen und Geschützen.

Umfang

Der neue Stadtabschluss brachte eine Vergrösserung des geschützten Areals um ca. 70 ha auf 106 ha; Mit ungefähr 4,1 km Frontlänge (ohne Rheinufer) erscheint die neue Mauer gegenüber der inneren mit 1,6 km als eine beträchtliche Vergrösserung. Jedoch herrschte in Basel ein Missverhältnis zwischen der Grösse des Stadtabschlusses und der Bevölkerungszahl, zwangsläufig gegeben durch die Grösse der vorhandenen Vorstädte und die geringe Wohndichte. Denn dem Vorteil der grossen Höfe und vielen Gärten stand als Nachteil die Weitläufigkeit entgegen. Die sich daraus ergebende Schwächung der neuen Festungsanlage war den Baslern bekannt.

Die Verteidigung der Ringmauer war seit der Ordnung von 1374 in fünf Abschnitte unterteilt: vom Rhein bei St. Alban bis zum Aeschentor, von da bis zum Steinentor, von dort bis zum Spalentor, der nächste Abschnitt reichte bis zum Eckturm „Lueg-ins-Land“ beim Wasenbollwerk (Bernoullianum) und der letzte wiederum bis zum Rhein bei St. Johann. Innerhalb dieser Abschnitte, die einzelnen Zünften fest zugewiesen wurden, blieb die Mannschaft zur Abwehr auf die Tor- und Mauertürme und auf die vereinzelten Letzinen konzentriert. Je nach Notwendigkeit wechselten bei regelmässigem Intervall mit den hufeisenförmigen Rundtürmen verstärkte Vierecktürme als besondere Stützpunkte der Mauer-Verteidigung.

Stadtmauer
Blick vom Spalentor auf die Stadtmauer und den Schützengraben und die Schützenmattstrasse. Aquarell von J.J. Schneider.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, BILD Schn. 147
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Wo man genau mit den Arbeiten begann, lässt sich nicht eindeutig feststellen; wahrscheinlich begann man dort, wo durch das Erdbeben die grössten Lücken entstanden waren und an jenen Stellen, die neu in den Festungsbereich einbezogen wurden. Dieses kombinierte Verfahren erklärt auch die gleichzeitigen Arbeiten an Graben und Mauer und das weite Auseinanderliegen der Fertigstellung gleicher Teile. Während am Rheintor 1363 bis 1365 gearbeitet wurde und das St. Albantor 1370 vorhanden war, ist am Hertor noch zwischen 1390/91 und 1392/93 gebaut worden. Wohl deshalb, weil das alte Vorstadt-Tor bis dahin zu genügen vermochte. Gleich zu Beginn jedoch scheint die gefährlichste Einbruchstelle im „Dalbeloch“ neu befestigt worden zu sein, denn nach Fechter liegt laut Urkunden aus den Jahren 1364ff. das Kloster St. Alban „infra muros et vallos novos et extremos civitatis Basiliensis“.

Erhaltene Teile

Auffallend ist die vom Typus abweichende Form des Spalentors. Im Unterschied zu den Toren zu St. Alban und St. Johann wurden beim Spalentor dem viereckigen Torturm zwei flankierende und in den Graben vorspringende Rundtürme angefügt. Diese Massnahme erfolgte zweifellos aus Rücksicht auf seine exponierte Lage. Das Tor stand am äussersten Punkt, zu beiden Seiten bog die Mauer stadtwärts zurück.

Die als einziger Überrest der spätmittelalterlichen Ringmauer erhaltene „Letzimauer“ im „Dalbeloch“ vermittelt eine Vorstellung von der baulichen Art der Mauern und Mauertürme. Zwar waren nur an besonders gefährdeten Stellen Wehrgänge wie hier vorhanden, die übrigen Bauteile dürften dagegen die typische Form wiedergeben.

Letzimauer
Letzimauer im Dalbeloch mit Wehrgang
Quelle: Wikimedia Commons
Quelle: Wikimedia Commons
Letzimauer
Letzimauer im Dalbeloch
Quelle: Wikimedia Commons
Quelle: Wikimedia Commons

Der heute ausgefüllte Stadtgraben mit beidseitig ausgemauerten Wänden hatte eine Breite von 17 m und eine Tiefe von etwa 4,5 m. Die Stadtmauer besitzt eine Dicke von 0,9 m; der Abstand zwischen den Mauertürmen misst 70 m, also 15 m mehr als bei den auf Bogenschussweite berechneten Mauertürmen an der inneren Stadtmauer. Die 15 bis 19 m hohen Türme überragen die Mauerkrone um zwei gedeckte Stockwerke und standen etwa 4,4 m weit in den Stadtgraben vor. Die bescheidene Stärke der Mauer erklärt Zweifel an ihrer Widerstandsfähigkeit, und man schaffte durch zusätzliche Werke und durch einen grossen Artillerie-Park die notwendige Erweiterung. Beim Herannahen der Armagnaken (1493/94) wurden beim Spalen- und beim Steinentor Bollwerke erbaut, in der Ringmauer und in den Türmen neue Schusslöcher ausgebrochen. Die Bollwerke bestanden, wie ein Teil der späteren, zur Hauptsache aus Erdwällen. Ausserdem verrammelte man bei Kriegsgefahr das St. Alban-, Steinen- und St. Johanntor. „Item die von Basel hatten grossi huot tag und nacht uff den turnen und muren; woren nit mer dann vier thor offen; Eschenmarthor, Spalen, Rychen und sant Blaesis thor; und schlissen ab die muren, huser und boeum vor der statt“ (Chronik des Heinrich von Beinheim).

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