Theater auf dem Blömlein

Das Theater auf dem Areal der Blömleinkaserne.

Basels Theatergeschichte stellt ein Stücklein baslerische Kultur- und Sittengeschichte dar und bietet Einblick in das ästhetische und gesellschaftliche Leben Basels; lange Zeit betrachteten viele fromme Basler Bürger das Theater als eine Einrichtung, die meist mit Sünde verbunden sei. Im Folgenden soll kurz die Geschichte des Theaterbaus auf dem Blömleinareal beleuchtet sowie einige Eigenheiten des Gebäudes sowie des Theaterbetriebs gestreift werden.

Ein Neubau fürs Schauspiel

Ab 1734 stand gastierenden Wandertruppen für Vorstellungen das sogenannte Ballenhaus an der Neuen Vorstadt (und später in der Steinenvorstadt) als permanente Spielstätte zur Verfügung. Dieses ursprünglich für Ballspiele erbaute Ballenhaus verfügte über eine bescheidene Winkelbühne und war mit den Jahren baufällig geworden, ausserdem genügte es den gewachsenen Anforderungen bald nicht mehr, und daher fand sich 1823 eine Aktiengesellschaft zusammen, die den Theaterbau „auf dem Blömlein zwischen dem Paradeplatz und dem Marstall hinten an den Hof bei der Kaserne der Standeskompagnie stossend“ projektierte. Die Stadt stellte das Grundstück der alten Reitschule auf dem Blömlein sowie ein Darlehen zur Verfügung; die Pläne für den Bau lieferte der damals noch jugendliche Architekt Melchior Berri. Er sollte Raum bieten für eine zirkelförmige Bühne und sich auch für die Durchführung von musikalischen Grossanlässen und Maskenbällen eignen.

Die Zeit für Theaterbauten war jedoch nicht günstig. Die beginnenden Wirren mit der Landschaft trieben manchem die Lust am Schauspiel aus. Oder wie die Basler Zeitung sich anfangs 1831 ausdrückte: „Die unruhige Stimmung der Zeit begünstigte die Leistungen der Kunst weniger“. Im November 1832 war das Theater fertig gestellt, nun fehlten aber noch Möblierung, Maschinerie und Dekorationen, Posten von einem Gesamtbetrag von ungefähr 20'000 Franken. Durch den Verkauf von Aktien und Ansuchen um freiwillige Gaben sollten die noch fehlenden Mittel eingebracht werden. 

Grundriss des Theater-Parterres. Quelle: www.e-rara.ch

Im Spätjahr 1833 war die Eröffnung des Theaters geplant; für diesen Anlass wurde eine passende Truppe gesucht. Doch das böse Jahr 1833 sorgte schon für genügend Unterhaltung. Erst im Oktober 1834 wurde das neue Theater eröffnet; ein Prolog weihte es ein, und dann ging der Vorhang über dem neuen Stück des bayrischen Ministers Eduard von Schenk „Die Krone von Cypern“ auf.

Grundrisse lassen eine ungefähre Vorstellung des Theaterinnern zu. Vorne an der Bühne befand sich links und rechts je eine besondere Loge: Die Akteurloge und die Aufsichtsloge. Dann folgten die Eingänge in den Orchesterraum, dann diejenigen ins Parterre mit separatem Ausgang. Die Mitte füllte unten das Parkett aus mit 132 Sitzen, zu denen der Zutritt hinten in der Mitte der Rundung durch einen Mittelgang erfolgte. Um das Parkett waren die zehn Parkettlogen mit 72 Plätzen gelagert. Um sie lief aussen der Korridor mit fünf Ausgängen herum. Darüber befanden sich vier sogenannte Avantscenenlogen im ersten und zweiten Rang mit zusammen 18 Plätzen, ferner die ersten Ranglogen mit 128 und die zweiten Ranglogen mit 50 Plätzen. So verfügte das Haus also, ausser der Fremdenloge in der Mitte, dem Parterre und der Galerie, über 400 ganz gute Sitzplätze. Im Ganzen soll es 1200 Personen gefasst haben.

Geleitet wurde das Theater von einem der Theaterkommission unterstellten Direktor, der den Betrieb auf eigenes Risiko führte. Die damit einhergehenden finanziellen Probleme blieben nicht ohne Einfluss auf die Gestaltung des Spielplans sowie den Unterhalt der Gebäulichkeit.

Eigenheiten des Blömlein-Theaters

Der Anfang einer Vorstellung war auf 18 Uhr angesetzt, je nach Umfang konnte auch eine halbe Stunde später begonnen werden. Jedenfalls durfte die Aufführung nicht über 9 Uhr hinaus dauern. Diese Ratsverfügung wurde jedoch oft überschritten, so dass das Justizkollegium, angewiesen, Vorschläge zur besseren Überwachung des Theaters zu machen, diesen Punkt besonders betonte und ein Überschreiten der Zeit um eine Viertelstunde mit 5 Franken ahnden wollte. Einige Herren des Rates wollten sogar eine Busse bis auf 50 Franken aussprechen, doch so weit kam es nicht. Aufführungen an Sonntagen wurden bis beinahe zur Jahrhundertwende verboten und Bemühungen um eine Lockerung dieses Verbots durch die Theaterkommission wurden von der Regierung mit dem Argument zerschmettert, der sonntägliche Wirtshausbesuch würde dadurch erhöht und die Sonntagsfeier vernachlässigt sowie zu weiteren Freigebungen führen wie Tanz, Arbeit, Kauf und Verkauf.

Blick in die Theaterstrasse mit dem Theater in der Bildmitte. Quelle: www.sinfonieorchesterbasel.ch

Wie bereits im alten Ballenhaus war auch das neue Theater schlecht beheizt. Was uns heute selbstverständlich dünkt, das finden wir mehrfach auf dem Werbezettel vermerkt: „Das Theater wird gut geheizt“. Und das kam nicht etwa von schlecht ziehenden Öfen wie im Ballenhaus, sondern daher, dass der arme Direktor knauserte, wo er nur konnte. Feuersgefahr durch zu starkes Heizen war also ausgeschossen, auch wenn einmal durch den Leichtsinn der Angestellten beinahe ein Brand ausgebrochen wäre. Im Februar 1846 bemerkte man beim Öffnen, dass der Boden des Bühnengarderobenzimmers über Nacht durchgebrannt war. Leider sind die ergötzlichen Details darüber nicht mehr aufzuspüren, aber der Theateraufseher wurde zu einer Geldbusse verurteilt und erst nach einem Rekurs der Theaterkommission davon frei gesprochen.

Die Zustände waren indes weit bedenklicher, als diese kleine Anekdote vermuten lässt. In den 1850er Jahren äusserte die Löschkommission ernste Besorgnisse über die Feuersicherheitsvorrichtungen im Theater. Im Souterrain wimmelte es „beim Gasmesser von Holzsplittern, Kehricht, Gemengsel und Seilwerk“, und der Estrich war verstellt mit unbrauchbar gewordenen Requisiten. Löschvorrichtungen, so vorhanden, waren unfertig oder unbrauchbar. Die hölzerne Treppe von der Bühne in den Hof war verfault und kaum mehr zu begehen. Handlaternen waren nicht vorhanden, man fuhr mit offenen Lichtern herum, und der obere Korridor war so eng, dass nur Mann für Mann sich hätte retten können. Es konnte einem bange werden beim Gedanken an einen Brand.

Das Basler Publikum glänzte, besonders beim Schauspiel, oft durch Abwesenheit und war starken Schwankungen unterworfen, und zwar nicht nur in Zeiten politischer Aufregung, sondern auch in ganz friedlichen. Für gewöhnlich machte der „Freischütz“ ein volles Haus, gelegentlich fand er aber auch einmal ein leeres vor. Ähnlich geht es anderen Stücken auch; lebhaft wurde einmal die Wiederholung einer Bellinischen Oper verlangt, und als die Direktion dem Wunsch entgegen kam und auf ein volles Haus hoffte, waren die Ränge nur mager besetzt. Man könnte behaupten, das Publikum in Basel sei noch nicht recht theaterreif gewesen. Das ernste Schauspiel war mit Goethe, Schiller, Lessing oder Shakespeare stark vertreten, trat aber im Laufe der Zeit zu Gunsten von leichten Komödien, Schwänken, Rührstücken oder Singspielen zurück. Mit Opern von Mozart, Beethoven, Rossini, Bellini oder Donizetti war allen – dem Publikum wie auch den Direktoren – stets am besten gedient.

Wie eingangs erwähnt, zeigen sich in Basels Theatergeschichte ein Teil des Basler Charakters sowie eine baslerische Lebenshaltung. Um dies noch deutlicher zu zeigen, könnte man nun eingehender die Art der Vorstellungen, den etwas chaotischen Theaterbetrieb sowie den verzweifelten Kampf der Theaterkommission um die Erlaubnis für Sonntagsaufführungen untersuchen. Dies ist jedoch der falsche Rahmen hierfür.

Das Ende des alten Theaters

Die Grösse und Infrastruktur des Schauspielhauses entsprachen durchaus den Bedürfnissen der Zeit, und doch dauerte die Theaterherrlichkeit am Blömlein nur bis am 7. Oktober 1873. Den Behörden passte das Gebäude wie angemessen in ihr Konzept für den Bau zweier neuer Schulhäuser in der Theaterstrasse. Und da die Erstellung eines etwas schöneren Hauses an besserer Lage für den Theaterfreund erwünscht war, wurde das Angebot des Baukollegiums, das Theater, das als linker Flügel des Steinenschulhauses erhalten blieb, gegen Bauland am Steinenberg und Fr. 250'000,- abzutauschen, angenommen. Vermutlich gaben die bedenklichen Zustände der Einrichtungen zusätzlich den Ausschlag für diesen Schritt. Das neue, von J.J. Stehlin im Stil der französischen Renaissance erbaute Stadttheater wurde am 4. Oktober 1875 eröffnet.

Quellen:

  • Meier 1995: 146f.
  • "Das alte Basler Theater auf dem Blömlein", Basler Stadtbuch 1908: 1-68
  • theaterwissenschaft.ch