Osterbräuche im alten Basel

Kaum war die Fasnacht vorüber, ging es im alten Basel schon stark Ostern entgegen, und damit auch zwei ganz eigenen Bräuchen: Dem Eierfärben und der Inspektion der Münstertürme.

In den Schaufenstern der Bäckereien und Konditoreien tauchten zuerst die Osterfladen, dann die Osterhasen und Ostereier auf. Schliesslich aber lagen bei den Gemüsefrauen auf dem Markt in grossen Weidekörben rote, blaue, grüne, gelbe und braune speckglänzende Eier und lockten die Käufer an. Hatte man um die Osterzeit eine Kindervisite, so gab es Reisbrote, wie man die Osterfladen auch nannte, und es wurden gemeinsam Eier gesucht. Aber eigentlich gehörte es sich, dass man die Eier zu Hause färbte. Hierzu gab es verschiedene Arten. Bevor es Anilinfarben gab, also vor den 1830er Jahren, wurden beispielsweise Seidenabfälle in allen möglichen Farben kunstvoll so um die Eier gewickelt, dass sie hübsche Zeichnungen bildeten. Auch Blätter und Blumen wurden um die Eier gebunden, mit Zwiebelschalen überdeckt, und nachdem alles fest in Tüll eingebunden war, wurden die Eier in Blauholzextrakt gekocht. Die fertigen Eier wurden mit einer Speckschwarte glänzend gerieben. Die Blumen blieben weiss, die Eier selbst waren braun-bunt marmoriert. Am Ostersonntag war nach dem sonntäglichen Mittagessen grosses Eiersuchen im Garten für alle Kinder. Das Wetter musste sehr schlecht sein, bis man sich entschloss, die Eier im Sommerhaus, in den Hausfluren und den Wohnstuben zu verstecken. Wenn man nach sorgfältigem Nachzählen festgestellt hatte, dass wirklich alles gefunden worden war, wurden Eier und Leckereien gerecht unter die Kinder verteilt.

Peter Pee (Kurt Haegler) hisst auf dem Martinsturm des Münsters anlässlich der österlichen Turminspektion das Basler Banner. 1921.

Noch um 1820 und später war der Münsterplatz zur Osterzeit bedeckt mit Neuigkeiten jeglichen Standes und Alters. Die Knaben belustigten sich mit Eiertupfen und gewannen oder verloren dabei ihre Ostereier. Um zehn Uhr morgens bestiegen eine Anzahl Maurer die beiden Münstertürme. Von der obersten Galerie klimmten die kecken Burschen an den äusseren Steinvorsprüngen bis zur Spitze hinauf, wo sechs bis acht auf der Rosette aufrecht stehen konnten. Hier tranken sie auf das Wohl der hohen Regierung, und ein Freudengeschrei auf dem Platz antwortete ihnen. Dann flogen Gläser und Flaschen in die Tiefe , und man sah ängstlich, wie die Burschen herunterkletterten. Dieser Brauch, am Ostersonntag die Münstertürme zu besteigen, stammte aus dem Mittelalter. Die Besteigung ging unter Böllerschüssen vor sich; die Münstertürme sollten dabei auf ihre Wetterfestigkeit hin geprüft werden. Um 1900 war die Stadt zu gross, als dass sich dieses althergebrachte Treffen auf dem Münsterplatz hätte erhalten können.

 

Quelle:

  • Von der Mühll, Johanna: "Basler Sitten", Verlag G. Krebs AG, Basel, S. 115ff.

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