Haus zum Zellenberg

Das Haus zum Zellenberg an der Ecke Riehentorstrasse und Rebgasse.

Unsere Stadt hat im 18. Jahrhundert eine Blütezeit der Architektur erlebt, die dem ganzen Stadtbild ein verändertes Aussehen gegeben hat. Das Weisse und Blaue Haus am Rheinsprung, das His'sche Haus auf dem Petersplatz, der Holsteinerhof oder die Sandgrube sind der sichtbarste Ausdruck dieser neuen Bauweise, die von Frankreich her auch in Basel eindrang und hier eine für Basel typische und charakteristische Umbildung erfahren hat.

Wenn es sich hier im Wesentlichen um palastähnliche Bauten handelte, die trotz ihrer scheinbaren Schlichtheit schon durch ihren mächtigen Umfang mehr fürstlichen Residenzen als Bürgerhäusern glichen, so fehlte es doch nicht ganz auch an einfachen Bauten, die den neuen Stil auch auf das Haus des Handwerkers und Kleinbürgers übertrugen. Eines der wenigen, aber reizvollen Beispiele dieses Typus, der einst zahlreich vertreten gewesen sein mag, ist das Haus zum Zellenberg, das sich an der Ecke Riehentorstrasse und Rebgasse erhob, jahrzehntelang vor der Niederlegung dem Staat gehörte und im Jahre 1932 zum Abbruch verkauft wurde. Die Hoffnung bestand bis zum Schluss, der Grosse Rat möge mit einem Einspruch das unabwendbar scheinende Unheil verhüten.

Das vorragende Mansardendach und die räumliche Abgrenzung der benachbarten Liegenschaften durch einen Hof waren kennzeichnend für das Haus zum Zellenberg.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 8-57-1
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Wie wir aus der Linderschen Chronik erfahren, ist das Haus zum Zellenberg (Riehentorstrasse 21) mit der daneben gelegenen Liegenschaft Rebgasse 52 vom Ratsherren zu Spinnwettern Lukas Pack erworben und 1778 zu der reizvollen Schöpfung umgestaltet worden. Ratsherr Lukas Pack war von Beruf Steinmetz, d.h. auf den heutigen Sprachgebrauch übertragen Architekt, und so dürfen wir wohl annehmen, dass er selbst die Pläne des Hauses entworfen und die Steinmetzarbeiten an Türe und Kaminen ausführte. Also eine Künstlerwohnung, die den Abschluss jahrzehntelanger Arbeit und Erfahrungen darstellen mochte.

Was Lukas Pack bei den Patrizierhäusern unserer Stadt gesehen und erlebt hatte, übertrug er nun aber nicht ohne Weiteres auch auf sein eigenes Wohnhaus. Der Wert der Lösung beruht vielmehr gerade darauf, wie er mit einem Minimum von Mitteln sowie durch die wohl abgewogenen Proportionen sein Ziel erreichte. Die Lage seiner neuen Besitzung war keineswegs günstig. Es handelte sich um zwei Liegenschaften; der langen Nordfront an der Rebgasse entsprach nur ein relativ schmaler Streifen der Liegenschaft an der Riehentorstrasse. Pack verzichtete von vornherein darauf, die beiden Liegenschaften zusammenzulegen und einen stattlichen Prunkbau mit weiter Treppenanlage aufzuführen, wie ihn die Weite der Liegenschaft an sich ermöglicht hätte. Die beiden Häuser blieben getrennt und das Haus an der Rebgasse wurde nur äusserlich durch Mansardendach und Fensterumrahmungen seinem Nachbarn an der Riehentorstrasse angeglichen.

Schlichtheit und einfache Symmetrie trugen viel zur Attraktivität des Hauses zum Zellenberg bei. Links die Riehentorstrasse Richtung Rebhaus, rechts die Rebgasse.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 8-57-3
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Hier erhob sich nun turmartig der Hauptbau an der Ecke, durch ein mächtig vorragendes Mansardendach überhöht und durch einen Hof von der Flucht der übrigen Häuser getrennt. Stattliche Stichbogenfenster, die sich unmittelbar aneinander anschlossen, dienten dazu, die schöne Sonnenlage des Hauses auszunützen und so dem engen Haus Licht und Sonne zuzuführen. Es ist jenes Bedürfnis nach Helligkeit, wie sie das 18. Jahrhundert mit unserer Zeit gemeinsam hat, nur mit dem Unterschied, dass die Lösung nicht mit technischen, sondern mit architektonischen Mitteln gesucht wurde. Daher die mächtigen Lisenen, welche das Haus einrahmen und im Gegensatz zur breiten Fensterflucht die Entwicklung in die Höhe wieder betonen. Der Eingang des Hauses ist, etwas mutig, nach der Schmalseite der Liegenschaft hin verlegt und die Höhe der Zimmer relativ niedrig gehalten, weit niedriger als man nach dem Äusseren annehmen müsste, um die beiden prächtigen Eckzimmer möglichst gross erscheinen zu lassen. Also auch hier wieder jene klaren Überlegungen, die dazu dienen, auch aus kleinen und bescheidenen Dimensionen en einheitliches Ganzes herauszuholen.

Mit welcher Sorgfalt die Arbeiten im einzelnen ausgeführt waren, lässt sich hier nur stichwortartig festhalten; es sind die schmale Treppe, die mit reichen eichenen Balustern verziert war, und die beiden Vorkamine des ersten und zweiten Stocks, die mit ihren Wappen und Ornamenten den Steinmetzen am Werk zeigen. Von der Schönheit dieser Arbeiten konnte sich jeder an der Türe überzeugen, wo Steinmetz, Schreiner und Schlosser jeder ein vollendetes Stück Arbeit geleistet hat.

Die Treppe mit den eichenen Balustern verdeutlicht die Sorgfalt, die im und ums Haus zum Zellenberg angewandt wurde.

Es ist für künstlerische Zeiten bezeichnend, dass sie nicht nur in grossen Hauptwerken zu uns sprechen, sondern auch dem Kleinen und scheinbar Alltäglichen ihr Gepräge aufdrücken. Zu diesen Monumenten gehörte das Haus zum Zellenberg neben der Sandgrube, eines der wenigen Gebäude von architektonischem Gepräge, die Kleinbasel bis in die 1930er Jahre geblieben sind. Doch trotz dem künstlerischen Wert und der geschützten Lage der Liegenschaft wurde das Haus zum Zellenberg abgetragen und durch einen sechsstöckigen Wohn- und Geschäftsbau ersetzt, in dem heute das Einrichtungsgeschäft "gopf!" sein Zuhause hat.

Quelle:

  • Basler Nachrichten vom 29. März 1932

 

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