Elftausendjungfern-Gässlein

Der Treppenaufgang des Gässleins schneidet eine Schneise zwischen die Stützmauer und die Hinterfassaden der Eisengasse.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 8-15-4
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Diese schmale Gasse mit der ulkigen Bezeichnung führt über 69 Stufen vom unteren Münsterberg zum Kirchplatz von St. Martin hoch. Ihren Namen hatte die Gasse im Volksmund wohl schon seit dem 14. Jahrhundert, jedoch trug es auch zahlreiche andere Namen wie "Stegen zur linchen Hand", wenn man den Rheinsprung hinunter ging, oder "St. Martins Stegen", "Am Sprung zur Rhinbruck", "Lange Stege" und weitere. Das Gässlein soll als letzte Strasse der Altstadt offiziell benannt worden sein, was überraschend sein mag, zumal es das erste gepflasterte Stück Wegs war. Der schmale und steile Aufgang zur Martinskirche hatte schon früh, nämlich 1352, ein Pflaster und steinerne Stufen erhalten und war demzufolge das erste Stück Basler Strasse mit festem Boden.

Ein anrainender Privatmann soll die Bepflasterung veranlasst haben, doch nicht seine Grosszügigkeit oder seine Abscheu vor dreckigem Schuhwerk gaben den Anlass dazu. Will man den Quellen Glauben schenken, versprach der Basler Bischof Johann Senn von Münsingen im Jahre 1350 jedem, der diese Stufen erklimme, einen zweiwöchigen Sündenerlass. So war man natürlich bestrebt, diese heilversprechende Treppe in Szene zu setzen. Also war es schierer Eigennutz, denn man hoffte mit diesem Versprechen und dem Verweis auf die Legende der Ursula mit ihren Jungfrauen viele Pilger nach Basel zu bringen.

Gegenüber dem Haus zum Sonnenfroh links hängt das Strassenschild ausser Reichweite von diebischen Händen.

Diese Legende verlieh dem Gässlein den heutigen offiziellen Namen: Die britische Königstochter Ursula, Patronin der Jugend, soll im 5. Jahrhundert zusammen mit elftausend Jungfrauen auf der Wallfahrt nach Rom in Basel Halt gemacht haben und betend zu St. Martin gestiegen sein. Die Jungfrauen, die von Ursula zuvor vom Heidentum bekehrt worden waren, wurden auf der Rückreise von Rom bei Köln von den Hunnen überfallen und ausnahmslos als Märtyrerinnen getötet. Ob die Zahl elftausend tatsächlich stimmt, ist ebenso zweifelhaft wie die ganze Legende. Diese Zahl ist vermutlich auf eine Fehlinterpretation einer Inschrift zurückzuführen, denn die lateinische Schreibung gibt uns Folgendes vor: "XIM virgines". Das "M" steht dabei jedoch nicht für den Wert 1000, sondern für die christliche Abkürzung für "Märtyrer". Damit ergibt sich die Bedeutung "11 martyres virgines", was soviel bedeutet wie "11 jungfräuliche Märtyrerinnen". Ob es nun übrigens 11 oder 11'000 Jungfrauen waren, drei von ihnen sollen sich geweigert haben, von Basel aus mit Ursula weiterzuziehen, und sich vor den Toren der Stadt als Einsiedlerinnen niedergelassen haben: Chrischona auf dem Dinkelberg, Odilie auf dem Tüllingerhügel und Margarethe auf dem Margaretenhügel...

Eine weitere Besonderheit bietet das Strassenschild des Gässleins, das am unteren Ende in ungewöhnlich weiter Höhe angebracht ist. Es heisst, die Stadt habe sich dazu entschlossen, das Schild so hoch zu hängen, nachdem es einige Male gestohlen worden war.

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