Theodor Meyer-Merian

Lithographie von H.B. zwischen 1850 und 1867.
Quelle: UB Basel
Quelle: UB Basel

Als Sohn des Daniel Meyer, Kaufmanns, und der Katharina geb. Hofmann wurde er am 14.1.1818 in Basel geboren, gestorben am 5.12.1867 ebendort. 1846 heiratete er Eleonore Merian, Tochter des Remigius Merian. Von 1837-41 studierte er Medizin in Basel und Freiburg i.Br., danach war er Assistenzarzt bei Karl Gustav Jung in Basel. 1846 eröffnete er die eigene Praxis und habilitierte. 1851-67 war er Spitalmeister des Basler Bürgerspitals, 1855 übernahm er das Präsidium der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige, und 1860 gründete er die Basler Medizinische Gesellschaft. Als beliebter Schriftsteller bemühte sich Meyer-Merian um die Erziehung des Volkes. Seine Romane widmen sich vor allem sozialen Problemen der Arbeiter- und Handwerkerschichten. Weite Verbreitung fanden seine Kalendergeschichten. Er stand in der Tradition Jeremias Gotthelfs und Johann Peter Hebels, ohne deren Qualität zu erreichen.1


Friehlingssunne

Lueg use: der Winter
Isch uf und dervo,
Im Sunneschin z’mitze
Jetz d’Vögeli sitze
Und pfife-n em no.

Mach u an dim Härzli
Au’s Lädeli bald,
Und d’Sunne loss schine
Dri ine, tief ine
In hinderste Falt.

Wie wird’s gli so haiter
Im Kämmerli do!
’S lacht Alles drin inne,
Me muess si schieb sinne:
Isch’s vorig au no?

Fäg d’Spinnpuppe-n use,
Der Staub und der Ruess!
Gschwind mach di derhinder!
Der Winter, der Winter
Jetz muse mues.

Rum uf jetze! D’Sunne
Isch Maister im Hus
Und was ihr im Wäg stoht,
Wirf, wenn’s sunst kai Wäg goht,
Zum Fänsterli us!
Zum Fänsterli us!




E voll Härz

Isch der dy Härzli voll Fraid und waisch nit
Wo de wit use und ane dermit
Meinsch, es mecht ’s Ibergwicht eppe biko;
Fang nur a z’singe, es lychteret scho.

Wit aber singen, und waisch de nit was?
Lueg nur durch’s Fänster, wie grien isch nit ’s Gras!
D’Baimli voll Bletter und d’Bliemli voll Pracht
Thiend der’s scho sagen, und d Sunne, wo lacht.

Schynt aber d’Sunne nit, lyt dusse Schnee
Sihsch e kai Laibli, kai Bliemeli meh;
He, so mach d’Auge zue, juchzge druf zue!
Fir e voll Här zisch e Juchzger scho gnue.




Der Bsuech

Was strychsch denn ammer au verby,
Du Bysi du, und machsch miau?
De muesch doch kai so Gägnäst sy!
Was strecksch di so? wo fählt’s der au?

De hesch hit frieh Fyrobe gmacht,
Und ’s Spinne stoht der doch wohl a;
Dy Redli schnurt sunst bis in d’Nacht,
Mäng Spinneren es nit so ka!

Jä so, isch’s das? Jetz merk i scho;
Er thuet si mitze no, der Fratz,
Und schläckt die waiche Depli; jo,
De bisch en aigetligi Katz!

Es strycht am Sässelbai verby
Und glettet dra sy pelzig Klaid,
Lait jedes Herli, wie’s soll sy
Und putzt und birstet, ’s isch e Fraid.

So sag: Wohni wit au no hit
Gosch eppe z’Liecht no in dym Gstaat?
Sunst mutzt me si fir z’Nacht just nit,
Und ’s rägnet duss, ’s wär fir di Schad

Was luegsch mi jetz so gspässig a?
De hesch nyt Guets im Sinn, los, los! –
Es nimmt e Gump – Du Schelm, aha!
Hesch welle zue merk o uf d’Schoss!

Nai nai! ich bruch kai Zytvertryb!
Gosch nit? – Du Spitzbueb waisch es scho,
Dass i di gärn ha! Nur so blyb,
Doch ’s nächst Mol jag di gwis dervo!


1Historisches Lexikon der Schweiz

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