Haus zum Brunnen

Auf der Merianschen Stadtansicht aus Südwesten von 1622 erkennt man das Haus "zum Brunnen" vor der baulichen Veränderung. Erst später wurde der Treppenturm und der Seitenflügel hinzugebaut, wie man auf dem Löffelplan von 1857 erkennen kann.

Das Haus "zum Brunnen" am Petersberg 1 wird im Jahreszeitenbuch des Domstifts aus dem 14. Jahrhundert erstmalig urkundlich als "die Trinckstub zum Brunnen" verzeichnet, doch ist das Gebäude in seinen Grundmauern noch wesentlich älter. Im Jahr 1624 wurde der ehemals gotische Bau umgebaut; noch Merian zeigt in seinem Stadtplan von 1615 nur ein einfaches, langgestrecktes, hochgiebliges Haus ohne Treppenturm in einem ummauerten Hof mit Brunnen. Das Gebäude muss also in dieser Zeit um den Treppenturm und den kleinen Seitenflügel bereichert worden sein. Ebenso wurde das obere Stockwerk gegen den Fischmarkt hin etwas überragend in Fachwerk samt einer neuen beachtenswerten Dachkonstruktion erstellt.

Das ganze Anwesen war auf drei Seiten durch schmale Gässchen umrahmt, südlich vom Pommeranzengässlein, nördlich vom Goldgässlein, westlich von einem namenlosen Gässlein unterhalb des Ringelhofes. Vom Fischmarkt führte der Weg durch einen mit dem Hauszeichen, dem Brunnen, geschmückten Torbau in den Hof, und von da gelangte man durch den Treppenturm mit seiner Wendeltreppe und der gotisch-barocken Spindel in die verschiedenen Stockwerke. Die einzelnen Stockwerke waren zuletzt allerdings stark verbaut, die früheren Verhältnisse waren nur zu erahnen. Früher muss es darin ein wundervolles Wohnen gewesen sein, zumal in den Stuben gegen den Fischmarkt mit ihren gestuften, weiten Fensterkompositionen, die von gedrehten Fenstersäulen unterteilt waren. Insgesamt war das Haus "zum Brunnen" eines der interessantesten Basler Baudenkmälern, und hohe Herren, Adlige und Achtburger gingen in ihm aus und ein.

Der einstige Hof und die Fassaden müssen reichlich mit Wappen der verschiedensten Ritter- und Achtburgergeschlechter bemalt gewesen sein. Die Gestaltung der gotischen Fassaden war jedoch trotz den angeblichen Stilverschiedenheiten sehr harmonisch.

Der 1624 erstellte Treppenturm im Hof des Hauses zum Brunnen und der angebaute Seitenflügel. Zustand um 1928.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, NEG 2398
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Das Haus diente, wie bereits erwähnt, als Trinkstube, oder wie es in lateinischer Sprach lautet: "Andrion Nobiulum aestivum", was soviel bedeutet wie "schattiges Männerhaus vornehmer Leute". Basel besass drei solcher Ritter- und Patrizierstuben, kurz auch die Hohen Stuben genannt. Die älteste ist wohl die zur "Mücke", die allerdings schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts einging. Tonangebend wurde nun die Stube "zum Brunnen". Auch diese Stube nahm nach Wackernagel ein baldiges Ende, wahrscheinlich als Folge der 1440er-Jahre. Von da an ist nur noch von der Stube im Haus "zum Seufzen" (bei der Stadthausgasse) die Rede. Mit dem Untergang der einzelnen Stuben schlossen sich aber ihre Häuser und Gesellschaftssäle keineswegs, sondern behielten ihren Wert für die Stadt. boten sie doch die schönsten Räume, die besten Küchen und Keller, so dass der Rat seine festlichen Mahlzeiten mit Vorliebe in ihnen abhielt und alle vornehmen und wählerischen Gäste in ihnen bewirtete. So fand jeweils am St. Johannistag (24. Juni) auf der Stube "zum Brunnen" ein offizielles Fischessen des Rates statt, wenn der Teuchelweiher oder einer der obrigkeitlichen Fischweiher geleert wurde. Anlässlich Basels Eintritt in den Bund der Eidgenossen 1501 führten die Räte die eidgenössischen Boten zur Mahlzeit in die "Herrenstube zum Brunnen", worüber eine zeitgenössische Chronik berichtet: «man führete die Gesandten ‚Zum Brunnen‘, da sie selbigen Tages stattlich tractiert wurden».1 Der festlichste Anlass jedoch war wohl das Fritschi-Fest im Herbst anno 1508.

Die letzte Nutzung des Hauses "zum Brunnen": Von 1859 bis zu seinem Abbruch diente die untere Etage des Gebäudes als Badanstalt. Zustand um ca. 1931, nach Abbruch der Liegenschaft Petersberg 7.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, NEG 2857
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Zu Beginn der 1620er-Jahre geriet die noch für die Jahre 1580, 1606 und 1618 urkundlich nachgewiesene "adeliche Gesellschaft und die hohen Stuben" in finanzielle Bedrängnisse und waren genötigt, Zinsen an die Universität Basel zu verkaufen. Das Haus ging nun in privaten Besitz über und erfuhr die anfangs erwähnte bauliche Veränderung. Als Eigentümer ist Mathias Müller (1573-1651) verzeichnet, Pulverkrämer und 1637 Sechser zu Safran. Müller war wegen der baulichen Veränderungen in verschiedene Streitigkeiten mit seinen Nachbarn verwickelt; vermutlich hat er auch über seine Verhältnisse gebaut und geriet in Schulden, so dass das Besitztum an eine Gant gelangte und durch Stadtgerichtsbeisitzer Hans Rudolf Faesch erworben wurde. Nun wechselten die Eigentümer rasch aufeinander: 1675 ist eine Frau Salome Burckhardt und 1682 ein ganz sonderbarer Mann erwähnt, Thomas Dalles, Biersieder, der der Safranzunft mit "Handschuhnähen starken Eintrag tat". Hierauf folgte Jakob Schlosser, dann 1686 Hans Caspar Hauser, der Spezierer, der einen Kesselofen aufstellte, um dadrin Tabak färben zu können. 1730 ist ein Hans Rudolf Hess, Schneider, Mitglied des grossen Rats, der mit den Erben der vorgehenden Eigentümer in einen Prozess verwickelt wurde, als Besitzer verzeichnet. Es folgt noch sein Sohn, Dr. Johann Rudolf Hess, und dessen Kinder, welche es 1797 an Andreas Bramp-Baumgartner, Handelsmann, verkauften. Die Erben des Letzteren verkauften es 1817 weiter an Dr. Christoph Bernoulli-Paravicini, zehn Jahre später ging es an den Postoffiziant Conrad Wagner.

1859 ist der Krankenwärter Johann Heinrich Amstein-Schäfer und seine Erben verzeichnet, welche das Haus einer weiteren neuen Nutzung zuführten: sie bauten die unteren Räumlichkeiten zu einer vielbesuchten Badanstalt um. Bühler (1970:20) beschreibt die Einrichtung als eher dürftig. Als solche wurde das Haus weitergeführt, und zwar von Eduard Bäumle-Keller und seinen Erben. Und so blieb es bis zur Übergabe an den Staat im Jahr 1919. Im Zuge der Neuüberbauung des gesamten Petersbergs bis zum Kellergässlein musste auch das Haus "zum Brunnen" 1937 niedergebrochen werden.

1Bühler 1970: 20

Quellen:

  • Nationalzeitung, 4. April 1937
  • Bühler 1951: 58ff
  • Bühler 1970: 20

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