Strassburgerhof

Heute gibt es an der Strassburgerallee das Restaurant Strassburgerhof. Dieser Name ist für Basel nicht neu, denn bis in die späten 1930er Jahre stand in der Petersgasse ein erhabenes gotisches Wohnhaus - der Strassburgerhof.

Der Strassburgerhof an der Ecke Petersberg-Petersgasse. Heute führt hier eine Treppe in den Spiegelhof hinunter.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 4-43-1
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt
Der Strassburgerhof lag am Kopfende des in den 1930er Jahren endgültig abgebrochenen Petersbergs. Es ist nicht ganz sicher, wie weit das Bestehen des Strassburgerhofs zurückreicht; dokumentarisch festgelegt ist er erst zur Konzilszeit in den 1430er Jahren. Dies war eine Zeit, als Nadelberg und Petersgasse das vornehmste Quartier der Stadt waren. Er wurde von Oberstzunftmeistern, von Schultheissen und anderen angesehenen Leuten bewohnt, hiess geraume Zeit Wormserhof, und erst seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts, als ihn der Strassburger Kaufmann Franz Guischart bewohnte, bekam er den Namen, unter dem er seither bekannt war. An die Strassburger Baukunst erinnerte der für Basel ungewohnt steile Giebel des Hauptbaus an der Petersgasse, an den sich der zweistöckige Teil anschloss, der den reizenden, sonnigen Hof umfasste, mit einer Gesamtanlage, die dem steilabfallenden Gelände und der Richtung zur Sonne auf recht verständige Art gerecht wurde. Wie bei allen gotischen Wohnbauten Basels waren auch hier keine Fassadenkünste getrieben worden; an der Petersgasse und genau gegenüber im Hof befanden sich zwei gotische Fenster mit fein ziseliertem Stabwerk und im Hof auch eine entsprechende Haustüre; abgesehen davon wurde im Lauf der Zeit viel umgebaut, aber stets so vernünftig, dass die Gesamterscheinung nicht darunter zu leiden hatte. Als Gruppenbau war der Strassburgerhof sehr ansprechend und das beste Gegenüber für den Andlauerhof (Petersgasse 36), der ja auch ein vorzügliches Beispiel für alte Basler Wohn- und Bausitten bietet.

Der Strassburgerhof vom Petersberg her gesehen. Man erkennt schön den zweiteiligen Bau - links den Hauptbau mit dem steilen Giebel und rechts den zweistöckigen Teil mit dem Hof. Das Photo entstand von der Stelle der bereits abgebrochenen Häuser Petersberg 32-36 aus.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 7-59-4
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Nach Niederlegung der malerischen Gruppe von Häusern inmitten des Petersbergs (1914), an dessen einem Giebel "eine romantische, allerdings nur gemalte Tanne jahrelang das poetische Knabenherz mit warmen Naturgefühlen erfüllt hat - mitten in der Stadt so etwas, eine Tanne!", wie es in der Neuen Basler-Zeitung vom 11. April 1936 hiess, erschien der Strassburgerhof in seiner ganzen Stattlichkeit. Zuvor war er verborgen gewesen und zeigte sich nun durch den neu geschaffenen Raum viel deutlicher. Anhänger des Heimatschutzes fürchteten, durch die Niederlegung des Strassburgerhofs würde der klassische Aufgang und Einzug zur Petersgasse zerstört; denn die Petersgasse mit dem übereck erscheinenden Kirchturm gehöre zu dem Wenigen, was das alte Stadtbild in Basel an Unvergleichlichem zu bieten habe. Man war sich einig, dass der Abriss dieses geschichtsträchtigen Hauses keinesfalls dringlich oder notwendig sei und dass man sich damit eines fraglos erfreulichen Baubildes beraube.

Innenansicht des Strassburgerhofs, die schön die sonnendurchflutete Hofsituation zeigt. Links die hintere linke Hofecke, rechts der Eingang zum Petersberg.

Der Strassburgerhof war nicht prächtig im hochkünstlerischen Sinn, aber er hatte ein charaktervolles Aussehen. Zusammengesetzt aus zwei verschiedenen Blöcken, einem giebel- und einem traufseitigen, im Barock verändert und mit breit und kräftig in die Mauer gesetzten Fenstern hatte er plastische Beweglichkeit und behagliche Fläche zugleich. Es war im Mai 1937, als der erste Pickelschlag ertönte, um diesen stolzen Bau umzulegen und an dessen Stelle den Spiegelhof, das neue Polizei- und Militärverwaltungsgebäude, erstehen zu lassen (an den sich bis heute viele noch nicht gewöhnt haben).

Quellen:

  • Neue Basler Zeitung, 11. April 1936
  • Basler Nachrichten, 22. Januar 1937

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