Gasthof zum Schwarzen Bären

An der Aeschenvorstadt 67, wo heute die Büroräumlichkeiten der Coop Versicherungen untergebracht sind, stand einst der beliebte Gasthof zum Schwarzen Bären. Urkundlich bezeugt war er seit spätestens 1793 und gehörte Johann Jacob Merian. 1837 veräusserten seine Erben das Gasthaus mitsamt Hoftsatt, Hof, doppelter Scheune, Stallungen, dahinter liegendem Garten und beschüssiger Ausfahrt auf die Strasse an Franz Müller und Carl Gessler, die den Betrieb zu hoher Blüte und grosser Beliebtheit führten. Noch am Ende des 19. Jahrhunderts wurde berichtet, kein Bäuerlein sei durch die Aeschen stadteinwärts gezogen, ohne dort einzukehren und seine Pferde dort einzustellen.

Der Gasthof zum Schwarzen Bären, der die Molkerei deutlich überthront. Die Stallungen, die Scheune und der Garten waren durch die Einfahrt rechts im Bild erreichbar. Koch um 1893.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, NEG 6219
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Im Vorderhaus des Schwarzen Bären befand sich die Gaststube mit dem Herrenstüblein, im ersten Stock ein kleiner Saal mit Gastwirtschaftswohnung, und der übrige Teil des Hauses war eingeteilt in zahlreiche Gastzimmer. Ein grosser Hof dahinter mit laufendem Brunnen führte zu den Stallungen, die bequem für 150 Pferde, Nutz- oder Schlachttiere Raum boten. Besonders lebhaft war der Zuspruch von Gästen zur Zeit der Herbstmesse. Denn da logierten Örgelimänner, der Mann mit dem Dromedar und den Affen und allerhand Messvolk im Gasthof. Diese Gäste wurden zum Grossteil im Seitengebäude untergebracht - die Menschen in etlichen Schlafsälen mit vier bis sechs Betten, die Tiere im Stall unter dem Laubenbau. Ende der 1870er Jahre logierte im Bären sogar ein ganzer Zirkus. Alle Pferde, Ponys und ein grosser dressierter Elefant fanden in den ausgedehnten Ställen Unterkunft, während die Vorstellungen in einer grossen Hütte auf dem Barfüsserplatz stattfanden.

Gessler, der Besitzer des Schwarzen Bären, hielt strenge Ordnung in Haus und Hof und überbot, was laute Stimme und Schelte anbelangte, seinen Nachbarn Grauwiler noch etwas. Wenn die beiden aneinander gerieten, so versuchte der eine den anderen zu überschreien, was hie und da ein hübsches Duett ergab.

Die Boten aus dem Umland und die Bauern von Hochwald und Gempen seien auch noch erwähnt. Die Stallungen nahmen drei Mal die Woche die Botenpferde auf, während die Wagen vor dem Botenstüblein (Ecke Albangraben-Aeschenvorstadt) abgestellt wurden. Die Bauern aus den oben erwähnten Dörfern kamen freitags mit ihren gedeckten Leiterwagen zur Stadt; auf jenen Wagen fanden Wellen, Holz oder Gartensteine Platz. War die Habe verkauft, führten diese Leute die leeren Gefährte in den Hof des Schwarzen Bären, die Pferde wurden eingestellt, und das Mittagessen nahmen sie in der Gaststube ein. Das gute, währschafte Essen servierte Gessler auf Zinntellern nach Bauernart. Der alte, heimelige Kachelofen mit der Ofenbank gab der Stube einen bäuerlichen Anstrich. Frau Gessler, die aus dem Markgräflerland stammte und eine tüchtige Wirtin war, verstand es vortrefflich, mit diesen Baselbieter Bauern zu verkehren.

Hinterhof des Gasthofs zum Schwarzen Bären. Koch um 1893.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, NEG 6221
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Mit der Inbetriebnahme des neuen Hotels Bären in nächster Nachbarschaft (Aeschenvorstadt 55, später Hotel Baslerhof) wurde das Gastgewerbe aufgegeben, doch blieben die alten Gebäulichkeiten bis 1927 stehen. Der Bau des neuen Hotels Bären ist übrigens durch ein schweres Unglück beeinträchtigt worden, stürzten doch am 28. August 1901 die Fassadenmauern ein und begruben dreizehn Personen, von denen sieben nicht mehr lebend geborgen werden konnten.

Quellen

  • Meier 1995: 106
  • Suter 1991: 16

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