Haus zum Brauer

Das in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbaute kleine Wohnhaus an der Ecke des Rheinsprungs zum steil ansteigenden Archivgässlein stösst seitlich und hinten an das Pfarrhaus der Martinskirche. Das auskragende Fachwerkobergeschoss bietet ein Besipiel der Konstruktionsweise spätmittelalterlichen Holzbaus in Basel.

 Bis ins 16. Jahrhundert hinein gehörte das Haus mit dem oberhalb am Martinskirchplatz gelegenen Nachbargrundstück zusammen und wurde in dieser Zeit vermutlich als Pfrundhaus eines Kaplans der Martinskirche errichtet. 1686 lebte hier der Buchdrucker Hans Lux Iselin, der 1692 seinen überbauten ehemaligen Hofplatz verkaufte. Eine gründliche Renovation erfolgte im Winter 1809/1810. Von 1818 bis 1960 war das Haus im Besitz der Familie De Bary. 1964 wurde die Fassade renoviert, wobei das Fachwerk freigelegt wurde.

Haus "Zum Brauer"
Ansicht des Hauses "Zum Brauer" am Rheinsprung 14 aus dem Jahr 1937. Das Bild zeigt den Zustand vor der Renovierung 1964 - das Fachwerk ist noch nicht freigelegt worden.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, NEG 5101
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Über einem niedrigen, dreiachsig gegliederten Erdgeschoss kragt ein Fachwerkobergeschoss aus. Das Mauerwerk der Vorderfassade und der seitlichen Giebelwand ist weiss verputzt, die Tür- und Fensterrahmungen sowie die freiliegenden Fachwerkhölzer des Obergeschosses dunkelrot gestrichen. Das Gewände der Haustür besitzt ein höheres Alter als die vermutlich im 18. Jahrhundert erneuerten Sandsteinrahmungen der beiden Parterrefenster und der Öffnungen in den unteren Geschossen der seitlichen Giebelwand. Die Vorderfenster des Obergeschosses sind im 19. oder 20. Jahrhundert vergrössert worden. An der Seitenfassade zum Archivgässlein endet das Fachwerk schon nach einem Gefach und wird über der schräg geführten Erdgeschosswand durch ein im Mauerwerk verankertes Bugband gestützt. Deutlich erkennbar ist, dass eine halbe Fachwerkachse an der Hausecke später hinzugefügt wurde: wahrscheinlich wurde damals das Haus etwas verbreitert und die seitliche Giebelwand massiv erneuert.

Im Inneren werden durch eine mittlere Wand Zimmer nach vorn und nach hinten geschieden. In beiden Geschossen gab es, wie die Malerrechnung aus dem Jahr 1809 zeigt, eine Stube mit Nebenkammer. Beim Umbau der Treppe zu den Dachkammern im Jahr 1809 wurden Teile einer hölzernen Wendeltreppe wiederbenutzt. Im ersten Obergeschoss sind Stube und Kammer heute vereinigt. Die durchgehende Decke besteht in einer gotischen Vertäferung; die übrigen Räume des Hauses besitzen schlichte gestrichene Deckentäfer. Das Dach des kleinen Hauses ist zweigeteilt. Die südliche Hälfte am Archivgässlein bildet ein hohes Pultdach und lehnt sich an das Pfarrhaus an; es muss daher jünger als dieses Nachbarhaus sein. Die ältere, nördliche Hälfte besteht aus einem Satteldach mit stehendem Stuhl, einer Konstruktionsweise, die zu der Erbauungszeit in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts passt.