Haus zur schwarzen Kugel

 

Von fast gleicher Bauart wie das Haus Zum Hammerstein erscheint das daran angrenzende Haus Zur schwarzen Kugel am Barfüsserplatz 15. Tatsächlich sind beide Bauten im Jahr 1830 erstellt worden. Im städtischen Brandlagerbuch findet sich zu den beiden Liegenschaften Barfüsserplatz 14 und 15 nämlich für das Jahr 1830 derselbe Vermerk: "Neu erbaute Behausung in Mauern, drei Stockwerke hoch". Dies lässt den Schluss zu, dass sich die damaligen Besitzer zur gleichen Zeit entschlossen haben, die Altbauten abzutragen und die Liegenschaften mit einem insgesamt viergeschossigen Neubau überbauen zu lassen. Die gleichartige Ausführung der beiden Häuser berechtigt ausserdem die Vermutung, dass die Bauherren ihren Auftrag dem selben Architekten anvertrauten, dessen Namen allerdings nicht bekannt ist.

Häuser "Hammerstein" und "Zur schwarzen Kugel"
In der Bildmitte die beiden schmalen Liegenschaften "Hammerstein" und "Zur schwarzen Kugel".
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 2-88-2
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Die Geschichte der Liegenschaften aber reicht weiter zurück als ins Jahr 1830. Dokumentiert ist sie bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. Für die "Schwarze Kugel" liegt sogar ein Beleg aus der Zeit vor dem grossen Erdbeben von 1356 vor. Dieser bezieht sich auf den damaligen Verkauf des Hauses durch das Zürcher Kloster Seldenau an das Basler Chorherrenstift St. Leonhard. 1356 wurde es offenbar zerstört, aber erst in den 1430er Jahren wieder aufgebaut und von St. Leonhard gegen einen Jahreszins von 14.5 Schilling dem Küfer Johannes Süss verliehen, der dank seiner Teilnahme am zweiten Kriegszug der Basler nach Istein 1409 ins Bürger- und Zunftrecht zu Spinnwettern aufgenommen worden war.

Der Nachfolger von Süss war ein Schuster, der auf den hübschen Namen "Teygbirlin" hörte. Nach ein paar weiteren Handänderungen ging die Liegenschaft 1505 an den Maurer Michael Wyss über. Dessen Witwe Elisabeth trat einen fünf Werkschuh umfassenden Teil des Höfleins hinter ihrem Haus an das Chorherrenstift St. Leonhard ab, wobei sie dasselbe ermächtigte, auf diesem Areal ein Fundament zu graben und eine Mauer gegen den Berg des Gotteshauses nach dem Gefallen des Konvents zu errichten. Im 16. Jahrhundert und weit darüber hinaus wurde das Haus ein Heim der Weber; das Weberhandwerk wurde im 15. und 16. Jahrhundert zur eigentlichen Basler Spezialität, nicht zuletzt dank der neu entwickelten Schürlitz-Weberei.

Im 17. Jahrhundert begegnen wir in der "Schwarzen Kugel" verschiedenen Hutmachern, Kürschnern und "Hosenlismern" sowie dem Kupferschmied Jacob Pfriendt, dem auf Betreiben seines Schwiegervaters, des Ratsherrn Wernhard Faesch, die Errichtung einer Esse hinter dem Haus bewilligt worden war. Auf den Innenausbau des Hauses scheint der Weinmann Johann Grimm besonderen Wert gelegt zu haben, denn als er die Liegenschaft 1737 an den Küfer Burkhard Lotz-Obrecht veräusserte, behielt er sich vor, "das Kamin von Alabaster, in vier Stücke bestehend, aus dem Säli wegzunehmen". Einen Bestandteil der "mittleren Stube" bildete bei den folgenden Verkäufen das eingebaute Buffet mit zinnernem Giessfass.

Unter den Eigentümern der Liegenschaft im 19. Jahrhundert seien zwei Persönlichkeiten hervorgehoben: Magister Johann Jacob Uebelin, zweiter Pfarrer zu St. Theodor und später Bauschreiber, dessen reichen Anekdotenschatz Eugen A. Meier 1970 als Bildband unter dem Titel "Aus dem alten Basel" veröffentlichte, und Hieronymus Lotz-Spörlin, der Schwiegersohn der Witwe des Tuchhändlers Lukas Spörlin-Merian, der ihren stadtbekannten Woll- und Mercerieladen auf dem Barfüsserplatz weiterführte. Bei seiner Kundschaft hiess er ganz allgemein "s Santime Spörli", ein Übername, in dem sich die Genauigkeit und Rechtlichkeit seines Wesens widerspiegelte. Als die Kaufleute beim Übergang von der alten zur neuen Frankenwährung im Zug der Münzreform die Kosten ihrer Waren umzurechnen hatten, rundeten die meisten die Preise auf, wodurch sich die verschiedenen Artikel verteuerten. Nicht so Hieronymus Lotz-Spörlin: Er übertrug die bisherigen Notierungen exakt bis auf den Centime in die neue Währung, so dass mancher Gegenstand bei ihm 13 oder 19 Centimes kostete, während man in einem anderen Laden dafür 15 oder 20 Centimes berechnete.