Das Irrenhaus im Almosen

Die Barfüsserkirche und der Hof des Barfüsserklosters, in dem das Irrenhaus untergebracht war. Aquarell von C. Guise 1849.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, BILD Wack. G 112
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Wann den Kranken, die „nit by zitlicher Vernunft sint“, der hintere Teil der Gebäulichkeiten und der Kreuzgang des Barfüsserklosters, das seit der Reformation teilweise der Armenpflege zur Verfügung stand, als Unterkunft zugewiesen wurde, steht nicht mit Sicherheit fest. Doch unter welchen Verhältnissen die „Wahnsinnigen und Tobsüchtigen“ in den engen, finstern Zellen oder in einer der grossen, mit schweren eisernen Riegeln zugesperrten Stuben ihr kümmerliches Leben fristen mussten, erhellt ein Memorandum der Spitalpfleger aus dem Jahr 1769: „In dem sogenannten hintern Allmosen sind zwey besondere Stuben errichtet worden, welche erst noch vor ungefehr 20 Jahren durch einen Aufwand von etlichen tausend Gulden eine dritte Stube ist beigegeben worden. Samtliche diese drey Stuben sind von zwo Seiten her mit genugsamer Heitere und Luft versehen, und befinden sich in der einen 10 Toll- oder Tauben-Häuslein, welche vermittelst der bey denselben angebrachten Öffnungen die Wärme von dem dasigen Ofen empfangen, und dienet diese Stube solchermach lediglich und allein zum Aufenthalte derjenigen tollen und verrückten Personen, deren Umstände erforderen, dass sie eingeschlossen gehalten werden. In der anderen Stube befinden sich diejenigen Mannspersonen, welche nur in einem ermässigten Grade der Verrückung oder halb närrisch sich befinden. Dessgleichen auch diejenigen, bey welchen nicht rahtsam ist, dass sie wegen ihrer hässlichen Leibes Gestalt oder anderer ihnen beywohnenden Gebrechen allzu viel unter die Leüte gelassen werden. Die dritte und letste Stube hingegen dient zum Aufenthalte der Weibspersonen. Die samtlichen in den gemeldeten drey Stuben sich befindlichen Personen, deren es gemeiniglich 25 bis höchstens 30 sind, werden durch einen besonders für sie bestellten Mann gewartet und empfangen ihr Essen aus der Spittal Küche. Da sich neben einem grossen Kreüzgang auch ein geräumiger, mit einem schönen lauffenden Brunnen versehener Hof befindet, so können die Personen, welche nicht verschlossen gehalten werden, nach Belieben darin herumspatzieren, auch sich daselbst genugsam sonnen und erluften.“

Insoweit man an eine Heilungsanstalt für Geisteskranke denke, sei das Irrenhaus die unvollkommenste unter den verschiedenen Filialanstalten des Pflegeamts, wurde 1829 erklärt. Gemütskranke und Wahnsinnige würden hier mit blödsinnigen und mit unreinlichen und unsittlichen Menschen vermengt, mit welchen sie nur das gemeinsam hätten, dass auch diese von den Menschen abgesondert werden sollten. Wohl bemühten sich Ärzte und Pfleger um eine „anständige“ Behandlung der Patienten, doch liessen sie dabei auch bedenkenlos Züchtigungen, Hungerkuren, Ketten, Eisenstangen, Zwangsjacken, Ochsenziemer, Tollriemen, Drehmaschinen oder gar das rotierende hohle Rad zur Anwendung kommen. Irrenarzt Friedrich Brenner war es zu verdanken, dass den Geisteskranken 1842 im neu eröffneten Bürgerspital eine menschenwürdige Heimstätte eingeräumt wurde und die Pforte zum „Narrenhaus im Almosen, das nicht viel mehr als eine Totenhalle für Lebendige ist“, geschlossen wurde.

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