Falknerstrasse

Beinahe geradlinig und parallel zur Gerbergasse verläuft die Falknerstrasse von der Hauptpost bis zum Barfüsserplatz. Sie ist eine der neuen Strassen im Stadtinnern; sie wurde 1899/1900 auf dem überdeckten und korrigierten Flussbett des Birsigs angelegt. Ein positiver Nebeneffekt neben der Verbesserung der Hygiene war eine Verkehrsentlastung der Gerbergasse.

An den betreffenden Abschnitt des Birsigs grenzten die Hinterfassaden der oberen Gerbergasse und der mittleren Freien Strasse respektive der Weissen Gasse. Ungefähr in der Mitte stiess das Pfluggässlein rechtwinklig auf den Fluss, der mit dem kleinen "Snürlinssteg" überbrückt wurde. Wiederholt wurden die nahe gelegenen Häuser durch Hochwasser beschädigt; zwar regelten zwei Wasserordnungen aus dem 16. Jahrhundert das Verhalten und die Zuständigkeiten bei Hochwassergefahr, doch bedeuteten der stark schwankende Wasserstand und der ungeregelte Wildwuchs von hölzernen Verschlägen an und vor den Häusern am Ufer ein ständig wiederkehrendes Problem. (...)

Falknerstrasse
Blick vom Postgebäude über den offenen Birsig Richtung Barfüsserplatz um1888, also vor der Überwölbung des Flusses. Noch sind die Lauben und Aborte an den daamaligen Hinterfassaden zu sehen.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 4-30-1
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Die gesundheitliche Gefährdung des Gewässers wurde spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Cholera-Epidemie. Eine Korrektur des Betts und des Ufers wurde notwendig, wofür der Ingenieur Karl Friedrich Stehlin ein erstes Projekt entwarf. Seine Planung wurde jedoch nicht ausgeführt. Die Idee, den Birsig auf einer längeren Strecke zu überwölben, äusserten 1861 die Ingenieure Friedrich Wilhelm Hartmann und Friedrich Wilhelm Pressel. 1865 arbeitete der Architekt Ludwig Maring ein Konzept aus; da sich die Anwohner finanziell beteiligen sollten, blieb dieses Vorhaben unpopulär. Erst in einem zweiten Anlauf 1887/88 gelang die Korrektion des Birsiglaufs zwischen dem Postgebäude und dem Barfüsserplatz; es wurde ein kanalisiertes Bett mit begleitenden Fusswegen und steinernen Stützmauern geschaffen, die schon als Vorbereitung für eine spätere Eindeckung gedacht waren. Die hölzernen Lauben und Aborte, die bis dahin das Bild der Fassaden zum Birsig bestimmt hatten, musten entfernt werden.

In den Jahren 1899/1900 folgten dann die Überdeckung des Birsigs und die Anlage einer Fahrstrasse mit Strassenbahnlinie. Für die Einmündung der Gleise in den unteren Abschnitt der Gerbergasse wurden zwei Häuser niedergelegt (Gerbergasse 19-21), so dass vor der Post eine Art Platz entstand, die der Wirkung des neugotischen Baus zugute kommt. Im Dezember 1899 fuhr der erste Tramwagen durch die neue Strasse. Die neu gewonnene Strasse wurde schnell zu einem Zentrum des Geschäftslebens; was vorher Hinterfassaden waren, wurde jetzt zu Vorderfassaden, Zu einem grossen Teil wurden die Erdgeschosse in Ladenlokale mit Schaufenstern umgebaut. Die Anwohner mussten die Fassadenpläne ihrer Häuser von der Regierung genehmigen lassen. Die Gerbergasse und die Weisse Gasse wurden durch die neue Strasse nicht nur entlastet, sondern wurden jetzt zu richtigen Nebenstrassen, besonders nach Einsetzung der Strassenbahn. An der Ostseite der Strasse, an der zuvor Hintergebäude gestanden hatten, wurden in den Jahren bis 1910 neun grosse Neubauten errichtet. Durch Zusammenlegungen reduzierte sich die Anzahl der Parzellen von 22 auf 14, wogegen die Westseite weitgehend unangetastet blieb.

"Bei der Wahl des Strassennamens wurde auf den langjährigen Baudirektor Rudolf Falkner (1827-1898) zurückgegriffen, der damit geehrt wurde. Falkner war von 1855 bis 1873 als Kataster- und Kantonsgeometer im Staatsdienst. Nach einer Vermessung der Aussenquartiere widmete er sich seit 1867 der Neuvermessung der Altstadt, das heisst einer Korrektur des nur wenige Jahre zuvor entstandenen Übersichtsplans von Ludwig Löffel. Falkners Katasterplan zeichnet sich durch hervorragende Genauigkeit und klare Darstellung aus. 1873-1894 war der freisinnige Politiker Mitglied der Regierung und ab 1875 Vorsteher des neu eingerichteten Baudepartements (vorher Baukollegium). Die Bautätigkeit im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, die bedeutende Veränderungen des Stadtbilds und nicht zuletzt die Korrektion des Birsigs mit sich brachte, wurde von ihm massgeblich bestimmt." (Nagel/Möhle 2006: 488).

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