Horrible Mediziner

Bis um das Jahr 1813 lebte am Rheinsprung 10 ein deutscher Perückenmacher namens Anton Vetter. Der grossgewachsene Mann mit nach aussen gekrümmten Beinen und ziemlich flacher Stirne lebte in kinderloser, friedlicher Ehe, hatte aber mit zunehmendem Alter das Unglück, kindisch, ja geradezu blödsinnig zu werden. Sein Hausarzt, Professor Dr. Melchior Huber bei der Rheinbrücke, wollte nach dem erfolgten Hinschied des Perückenmachers dessen Kopf anatomisch untersuchen. Da jedoch Vetters Witwe nichts von diesem Vorhaben erfahren durfte, musste Stillschweigen gewahrt werden. Die Leiche wurde deshalb auf Geheiss Professor Hubers bis zur Beerdigung im Unteren Kollegium untergebracht.

Zu nächtlicher Stunde beugten sich nun Professor Huber und Dr. Johann Stückelberger-Stückelberger im Beisein einiger Chirurgen über den Kopf des Verblichenen und liessen ihrem Wissensdrang freien Lauf. Wie die versierten Mediziner erwartet hatten, war das Gehirn unverhältnismässig stark eingeschrumpft, die vordere Wand des Schädels dagegen stark porös und nach innen ausgewachsen. Die beiden Ärzte brachen das Cranium bei der Sutura auseinander, damit jeder eine Hälfte in seinen Besitz nehmen konnte. Dann verschlossen sie die Öffnung mit einer ausgehöhlten Rübe, zogen die mit Kreuzschnitten versehene Kopfhaut darüber, vernähten diese und setzten dem toten Vetter wieder Nachtmütze mit dem schwarzen Band aufs Haupt, als wäre nichts geschehen. Hierauf verfügte sich die ganze Gesellschaft in Hubers Apotheke zu einem köstlichen Punsch...

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