"Kopfabhaini"

Kopfabhaini
Ansicht der Richtstätte vor dem Steinentor an der Binningerstrasse. Aquarell von J.J. Schneider 1838.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, BILD Schn. 118
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Waren es vor anderen Toren fromme Niederlassungen, die der Gegend ihr Gepräge gaben, so war es vor dem Steinentor das Hochgericht, das seit frühesten Zeiten den nur mit einigen wenigen Textilgewerben besiedelten Landstrich beim Einfluss des Birsigs in die Stadt bestimmte. Vor dem Tor, dessen Mauern hochgemut das Bild des gekreuzigten göttlichen Erlösers empor hoben, befand sich (hinter dem ehemaligen Gas- und Wasserwerk) die Grossbasler Richtstätte der zum Tode durch Enthaupten oder durch Verbrennen Verurteilten. Der Tod durch das Schwert, die mildeste und ehrlichste Todesstrafe, wurde angedroht für Friedbruch, Kindsmord, Bestialität, Ketzerei, Hexerei, Blutschande, Sodomie, Mordbrennerei und Brandstiftung. Nach der Urteilsverkündung im Richthaus wurde der durch die Morgensuppe (Henkersmahlzeit) gestärkte arme Sünder durch die Stadt zur Richtstätte geführt, in extremen Fällen auch von einem Pferd geschleift. Dort fand er, umgeben von einer lüstern gaffenden Menschenmenge und unter dem Beistand eines Augustiner- oder Dominikanermönchs, mit verbundenen Augen darniederkniend oder an einen Pfahl gefesselt, ein trauriges Ende. Das scheusslichste dieser makabren Schauspiele vor dem Steinentor geschah am Weihnachtsabend 1474. Achtzehn der widernatürlichen Unzucht angeklagte Lombarden, Gefangene aus dem Burgunderkrieg, erlitten auf einem riesigen Scheiterhaufen den Feuertod!

Der Kopfabhaini war nicht der einzige Richtplatz in Basel; auf dem alten Marktplatz, auf dem Galgenhügel im Gellert und beim Lysbüchel wurden Verbrecher auf das Rad geflochten oder mit dem Strick aufgeknüpft. Wenn eine solche Exekution angesagt war, wartete der Scharfrichter ausserhalb des Steinentors auf den Verurteilten. Mit dumpfen, ungespannten Trommeln bewegte sich der Zug vom Markt bis zum Tor, und dazu erklang das Totenglöckchen. Der Scharfrichter in seinem schwarzweissen Amtskleid mit dem Zweihänderschwert nahm den Sünder aus der Hand des Stadtbüttels in Empfang und führte ihn hinaus auf den Richtplatz. Der Zug wurde von den Stänzlern bewacht.

Die letzte Hinrichtung – in Basel überhaupt – wurde am 4. August 1819 vollzogen. Xaver Herrmann von Colmar, Ferdinand Deissler von Inzlingen und Jakob Föller von Sonderach, wegen Strassenraubs, Brandstiftung und Mordes zum Tod durch das Schwert verurteilt, wurden nach althergebrachtem Zeremoniell und vor einer auf 20'000 Menschen geschätzten Zuschauerkulisse auf der „Kopfabhaini“ gerichtet: „Der Scharfrichter und seine Gehülfen nahmen die Delinquenten in Empfang und banden dieselben auf die für sie bestimmten Stühle. Gleich nach halb 11 Uhr war das Urtheil in allen seinen Theilen mit Ruhe und Anstand vollzogen. Bis nach Verlochung der Leichname blieb eine Wache aufgestellt.“

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