Die grosse Wäsche

Die grosse Wäsche wurde im Waschhaus abgehalten, dem „Buuchhuus“; die Wäsche selbst heisst auch „Buuchiwäsche“. Das Wort geht zurück auf das mittelhochdeutsche bûchen (auch biuchen), das soviel wie „mit Aschenlauge der Buche waschen“ heisst.

Die grosse Wäsche war ein überaus wichtiges Ereignis im regelmässigen Ablauf der Haushaltgeschäfte, und von allen Hilfskräften, welche im Haushalt arbeiteten, waren die Wäscherinnen die wichtigsten. Ursprünglich nur einmal jährlich abgehalten, wurde die „grosse Wäsche“ im 19. Jahrhundert vierteljährlich und dann um die Jahrhundertwende auf alle vier bis sechs Wochen angesetzt. Nicht dass die Haushaltungs- oder Leibwäschevorräte geringer geworden wären, aber man fand es nun bequemer, nicht mehr solche Haufen „Schwarzplunder“, wie man die schmutzige Wäsche nannte, zusammenkommen zu lassen. Trotzdem dauerte auch jetzt noch jede grosse Wäsche drei Tage und wurde meistens von drei Frauen besorgt. Um 1850 begann die Arbeit schon um drei Uhr morgens. Die Hauptwäscherin, die „Buuchere“, hatte schon am Abend vorher die Schlüssel geholt. In der Waschküche stand auf einem Kreuzböcklein ein grosser hölzerner Zuber, die "Bütte", dessen Boden mit leeren Flaschen ausgelegt wurde. Dazwischen legte man ausgekochte Markknochen; nun wurde die Wäsche, die tags zuvor eingelegt und ausgewaschen worden war, sorgfältig in den Zuber geschichtet. Zuunterst kam die grobe Wäsche, zuoberst die feine Leibwäsche. Dann wurde über die Bütte vorsichtig ein sauberes, nasses Tuch gespannt.

Waschtag
"Buchi" vor dem Umbau des Kleinen Burghofes mit Waschfrauen.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 1-115-4
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

In einem Kessel wurde Buchenasche gekocht und die so gewonnene Lauge wurde mit einem grossen Schöpfer auf die Wäsche gegossen. Die Lauge sickerte durch, floss aus dem geöffneten Zapfenloch und konnte für einen zweiten Aufguss verwendet werden. Die Wäsche wurde so nicht durch Kochen angegriffen; wer es also gewohnt war, die Wäsche mit Buchenlauge zu waschen, der konnte sich nur schwer entschliessen, die sonst so sorgsam behandelte Wäsche in der Fremde malträtieren zu lassen. Am zweiten Waschtag trat eine andere wichtige Hilfskraft auf: die Durchzieherin. Ihre Aufgabe war es, nach dem "Buuchen" die Wäsche durch die Bläue oder durch eine leichte Stärke zu ziehen. Die Buucherin überwachte die ganze Angelegenheit, und wehe, wenn eine Hilfswäscherin schnell eigene Handtücher (sogar noch besonders schwarze, denn der Mann war Schuhmacher) auf die geschichtete Wäsche warf.

Wenn man nicht genug Buchenasche aus dem eigenen Kachelofen beisammen hatte, entlehnte man sie aus der Nachbarschaft. Aber auch die Kinder der Wäscherinnen sammelten Buchenasche und verkauften den Kessel zu 50 Rappen in den Herrschaftshäusern.

Um die Arbeit in Schwung zu bringen, führte man sich ein Nusswässerchen zu Gemüte; um sechs Uhr morgens war Frühstückspause. An gewöhnlichen Wäschetagen bekamen die Wäscherinnen ausser dem Barlohn für jeden Tag Naturalien wie Brot und Wein. Es heisst, es habe eine Wäscherin gegeben, die mit dem Wein aus einem Herrschaftshaus einen lohnenden Essighandel betrieben habe.

Auch die Glätterinnen hatten drei Tage zu arbeiten. Dazu half noch das Stubenmädchen und oft auch von en weiblichen Familienmitgliedern, wer gerade Zeit dazu finden konnte. Es war eine Heidenarbeit, die reich verzierte Wäsche mit den vielen Spitzen, Stickereien, Falbeln, Fältchen, den breiten und schmalen Tollen, den Volants und Tüllbesätzen sowie die Piqéwesten und gesteiften Oberhemden, Kragen und Manschetten wieder auf Vordermann zu bringen. Eine gute Glätterin verdiente um 1900 Fr. 2,80 Taglohn, genauso viel wie die Buucherin. Im Bügelzimmer stand der Bügelofen, in dem die Bolzen im Holzkohlenfeuer glühend gemacht wurden. Es kam vor, dass die Bolzen in der Glut schmolzen; man holte sie mit einer Zange aus der Glut und füllte sie in das Eisen. Die schweren Glätteeisen wurden auch dann von der Berufsglätterin bevorzugt, als das einfache Eisen ohne Bolzen aufkam, weil man mit der Schwere erst den rechten Glanz herausbrachte. Doch man ging mit der Zeit: das Gaseisen kam und machte bald wieder dem elektrischen Eisen Platz.

Quelle: von der Mühll 1969

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