Gifthüttli

Vom Marktplatz her kommend, lag die Weinschenke zum Ritter St. Georg an der linken Ecke zur Schneidergasse. Sie ist 1842 von Innocenz Weiss für Fr. 12'000,- erworben und zum Restaurant Gifthüttli umgestaltet worden. 1913 verkaufte Paul Weiss-Lipp die Wirtschaft im Hinblick auf die Korrektion der Schneidergasse für Fr. 48'000,- dem Staat und liess auf der gegenüberliegenden Seite durch Architekt Rudolf Sandreuter das neue Gifthüttli erbauen. "Durch die Anwendung einfacher spätgotischer Formen ist beim Neubau versucht worden, an die traditionelle Basler Bauweise des 16. und 17. Jahrhunderts anzuknüpfen. Es ist von jedermann begrüsst worden, dass anstelle längst für den Abbruch reifer Häuser ein schmuckes Eckhaus getreten ist."

Gifthüttli
Das Gifthüttli am ursprünglichen Standort. Aufnahme demnach vor 1913 von der Sattelgasse her.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 4-38-5
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt
Gifthüttli
Das neue Gifthüttli am neuen Standort. Aufnahme demnach nach 1913 von der Schneidergasse / vom Imbergässlein her.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 6-50-2
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

"S alt Gifthüttli isch e beriehmt Wirtschäftli gsi. Friejer het me numme-n-in de Brauereie Bier biko: bim Eckstai im Kardinal, bim Meria in der Torstaine, bim Wohnli in dr Klore, bim Aweng vor em Santihannstor, bim Brändli in dr Staine, bim Thoma vor em Aeschetor, nit z'vergässe dr Gessler am Spalebärg und dr Glock in der Aesche. In de gwehnlige Wirtschafte het's numme Wy gäh. Do het dr alt Wiss hinter der School, am Ecke vo dr Schnidergass, agfange näben em Wy au Bier z verkaufe. Das het domols vyl z Schwätze gäh, und im Intelligänzblettli isch sogar en Artiggeli ko, wo's drin ghaisse het, 's Bier, wo nit diräggt bim Bierbrauer trungge wurd, syg Gift. Do het dr Herr Wiss, es isch dr Gross-Unggle vom jetzige gsi, z'laid sy Wirtschäftli Gifthittli tauft, und so haisst's bis uf dr hittig Daag. Dr Adrang isch gross gsi und 's Bier guet, denn 's isch alles frisch vom Fässli verwirtet worde, wie syner Zyt au bi's Rebers am Spaletor, und wenn domols dr Herr Duboi, dr Basler Fremdefiehrer, wo unde-n-am Herberigsbärg gwohnt het, de Fremde d'Merggwirdigkaite vo Basel zaigt het, so isch er mit ene zerscht zuem Münschter, dernoo zuem Fischmärtbrunne-n-und z'letscht in's Gifthüttli, wo me-n-alli Bott frisch agstoche het. Und wenn im Grosse Rot e wichtigi Abstimmig z'erwarte gsi isch, so het me d'Waibel ins Gifthittli gschiggt; der sin allewyl Grossreet z'finde gsi." Und so ist es bis heute geblieben. Besonders seit 1978 durch stadtbekannte Grossräte (den Gewerbedirektor, zwei Trämliführer, eine Fürsorgerin und je einen Geschichtsprofessor, Gesellschaftsmeister, Personalchef und Lokalhistoriker sowie eine Redaktor) der legendäre "Tisch der Wahrheit" installiert worden ist.