Niggi Münch und Bobbi Keller

Niggi Münch und Bobbi Keller
Niggi Münch und Bobbi Keller in der Spalenvorstadt, festgehalten von Hieronymus Hess, 1831. Hinter Niggi Münch ist ein Stadttambour, der eine obrigkeitliche Verfügung vorliest.

Die beiden wohl bekanntesten Stadtoriginale des 19. Jahrhunderts werden meist in einem Atemzug genannt; der Basler Hisorienmaler und Karikaturist Hieronymuss Hess (1799-1850) hat das eigenartige Paar in den 1830er Jahren mehrfach abgebildet.

Niggi Münch (1775-1841) war der Sohn einer dicken, drolligen Witwe und der Sohn eines Schlossers. Sein jüngerer Bruder war im Gegensatz zu ihm vollkommen normal und avancierte später sogar zum Standesreiter. Wohnhaft war die kleine Familie am Spittelsprung. Nach dem Tod seiner Mutter kam Niggi Münch ins Spital, wo er als Strassenwischer nützliche Dienste leistete. Er war von harmlosem Gemüt, freundlich und lustig (was man von einem Original dieser Grössenordnung auch nicht anders erwarten kann); die Basler Buben konnten ihn leicht mit einem Halbbatzen, ein paar Äpfeln oder anderem Obst oder ein wenig Naschwerk in die beste Laune versetzen, was sich in übermütigen Sprüngen oder ungehemmtem Singen und Pfeifen äusserte. Nur ausnahmsweise war Niggi wild und tobend; in bitteren Zorn brachte ihn die Frage: „Niggi, sag’, was het das Bärner Maitli g’macht?“ Darauf folgten ganz wüste Beschimpfungen, wobei das Schönste war, was er in einem solchen Fall zur Antwort gab: „Ihr verfluechte Buebe, ihr Galgestrigg!“ Ernsthafte Rache zu nehmen verunmöglichte ihm jedoch seine körperliche Plumpheit sowie sein gutmütiger Charakter. Genau dieser Umstand war es wohl, warum ihn die Basler Buben auch öfter aufzogen; so kam es unter anderem zu folgendem alten Basler Kinderreim: „Der Niggi Münch im Spittel het Lys und Fleh im Kittel“.

Sein Kumpan Bobbi Keller (1771-1839) war, wie seine Schwester, ein armseliges, verkümmertes erwachsenes Kind des rechtschaffenen und körperlich und geistig völlig normalen Weissbäckers David Keller; mit seiner Familie wohnte er gegenüber dem ehemaligen Kornhaus.

Quelle: Meier 1970