Rümelinsmühle

Seit 1362 ist von einem Mühlebetrieb inmitten der Stadt die Rede: Edelknecht Gregorius von Lörrach verkaufte in jenem Jahr den Nonnen im Klingental einen Drittel seiner Hofstatt genannt Rümelinsmühle. Die lebenswichtige Getreidemühle lag an dem im 13. Jahrhundert gegrabenen Gewerbekanal, der vor dem Steinentor vom Birsig gespiesen wurde und bei der Sattelgasse wieder in das ursprüngliche Bachbett einmündete (vgl. Artikel über den Rümelinbach). Der Bach hiess auch "kleiner Birsig" oder "Steinenbach" und speiste noch weitere Mühlen. Ein Mann namens Rümelin, der an dem Kanal eine Mühle besass, könnte dem Bach seinen Namen gegeben haben.

Die Rümelinsmühle als Eckpunkt des Rümelinsplatzes.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, NEG_2518
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

Im August erscheint mit Heinrich Stampf ein erster urkundlich erfassbarer Besitzer; 1540 wurde die Liegenschaft durch das Kloster Klingental gepfändet. Zwar erhielt er die Mühle wieder zurück, musste aber bis ans Lebensende Zinsen zahlen. Erst 1540 wird die Liegenschaft als zinsfrei beschrieben. 1577 erwarb der aus Leimen stammende Christen Lippe die Mühle; seine Verwandten führten die sogenannte Lippismühle im St. Albantal. Während drei Jahrhunderten sass nun die Müllerfamilie Lippe auch auf der Rümelinsmühle und versorgte die Anwohner mit bekömmlichem Getreidemehl. Weniger bekömmlich war die Luft in der Nähe des Bachs. Von einem Anwohner des Baches ist bekannt, dass dieser jeweils im Sommer, wenn eine gewisse Temperatur überschritten war, seiner besseren Hälfte zurief: "Frau, mach d'Abtritt-Tire-n-und d'Stubetire-n-uf, dass frischi Luft vom Rimilibach in d'Stube kunnt!" (1908). Die Abtritte lagen tatsächlich über dem offenen Bach, wie 1797 zu erfahren ist, als Martin Salathe gegen Meister Lippe klagte, weil dieser ungefragt an seinem Giebel eine Toilette habe errichten wollen. Mit Johann Jakob verstarb 1850 der letzte Lippe-Müller, und die Mahlmühle ging an den Binninger Heinrich Seiffert. Dieser versah den verstaubten Gewerbebetrieb mit neuen Maschinen, nur die mächtigen Mahlsteine drehten weiterhin gemächlich ihre Runden. Mit den Dampfmaschinen und der Turbine der Firma Socin & Wick konnten jedoch die Mühlsteine auch in wasserarmen Monaten betrieben werden. Der Umbau kostete allerdings 30'000 Franken.

30 Jahre vor den obigen Bildern hatte die Rümelinsmühle eine noch etwas andere Gestalt. Der Mühlenanbau machte den Durchgang zum Gerber- und Grünpfahlgässlein noch enger. Koch um ca. 1900.

Die Aufhebung des teils noch immer offen dahin fliessenden Kleinen Birsigs liess 1905 das bedächtige Geknarre des uralten Mühlerads verstummen, und 1931 wurde der modernisierte Betrieb endgültig eingestellt. 25 Jahre lang diente das Gebäude noch als Verkaufslokal für den Detailhandel und wurde 1957 abgerissen. Als die "Rimelis Mihli" vom Erdboden verschwand, ging auch der "Wohlklang in der Folge dieser offenen Vokale und auch dieser flüssigen Konsonanten r-m-l-s-m-l unter". Der Rümelinbach ist heute aus dem Stadtbild verschwunden, aber er erfüllt immer noch einen Zweck: Er fliesst in die Wasserversorgung des Zoologischen Gartens. Und an der Stelle des ehemaligen Mühlebetriebs steht heute ein Gebäude, in dem bis vor zwei Jahren das Modehaus "Rümelin La Mode" beherbergt war und heute vernachlässigt in der Ecke des Platzes steht...


Quellen:

  • Meier 1995: 200
  • http://www.altbasel.ch/haushof/ruemelins_muehle.html