Schuhmachernzunft

Im Jahre 1248 ist zum ersten Mal von einer gemeinsamen Zunft der Gerber und Schuhmacher die Rede. Die gewerblich doch so verwandten Handwerker zerstritten sich aber derart, dass der Rat die eigensinnigen Lederzünftler wiederholt zur Brüderlichkeit ermahnen musste. Doch auf die Dauer war eine Trennung nicht zu vermeiden. Es mag dieses gespannte Verhältnis mit den Gerbern gewesen sein, das die Schuhmacher dazu bewog, ihren Zunftsitz nicht im angestammten Bezirk an der Sutergasse (oberer Teil der Gerbergasse), sondern an der Mittleren Freien Strasse zu errichten. Jeder Schuhmacher, egal ob Lehrling, Geselle oder Meister, war zur Annahme des Zunftrechts verpflichtet. Nach bestandener dreijähriger Lehrzeit und vierjährigen Wanderschaften konnte die Meisterprüfung abgelegt werden, indem auf dem Zunfthaus "zwey Paar Mannsschuhe und ein Paar Weiberschuhe nach der jeweiligen Mode angefertigt wurden. Geistlichen Zusammenschluss fanden die Zunftgenossen unter dem Schutz der Heiligen St. Crispinus und Crispinianus in zwei nach Meistern und Knechten getrennten Bruderschaften vor ihren Altären in der Predigerkirche und zu St. Martin.

Schuhmachernzunft 1880
Die Schuhmachernzunft um 1880, Blick Richtung Marktplatz
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, BILD Schn. 39
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt
Schuhmachernzunft 1902
Die Schuhmachernzunft um 1902; deutlich sieht man, wie die anliegenden Häuser (schon) zurückversetzt sind.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, NEG 16
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt
Schuhmachern 1905
Die Freie Strasse mit der Schuhmachernzunft, gleicher Blickwinkel wie beim Bild von 1880.
Bild: © Staatsarchiv Basel-Stadt, AL 45, 5-70-3
Quelle: Staatsarchiv Basel-Stadt

1876 wurde das 1556 vollständig umgebaute Zunfthaus, das die Schuhmacher während Jahrhunderten durch Stubenknechte in eigener Regie betrieben hatten, der "Actien-Bräu" gegen einen jährlichen Zins von Fr. 4'000,- verpachtet. 1892 gedachte die Zunft ihre Trinkstube der Pächterin zu verkaufen, aber der Regierungsrat verweigerte dem vom Bürgerrat genehmigten Vertrag die Ratifikation mit der Begründung, der Übergang von Zunfthäusern in Privatbesitz liege nicht in öffentlichem Interesse, da diese dem gemeinnützigen und geselligen Leben dienten. Zudem dürfe wegen der bevorstehenden Verbreiterung der Freien Strasse keine Präjudiz für die drei anderen, auf der gleichen Strassenseite liegenden Zunfthäuser (Rebleuten, Hausgenossen und Brotbecken) geschaffen werden.

Erst als die Neubauten der Rebleutenzunft und der Hausgenossenzunft beschlossene Sache und das Zunfthaus zu Brotbecken an den Staat übergegangen war, waren die Behörden 1895 mit dem Verkauf einverstanden. Noch zwei Jahre wurden dem alten Schuhmachernzunfthaus, das wiederholt mit bedeutenden Unkosten umgebaut worden war, zugestanden, dann musste es der Verbreiterung der Freien Strasse weichen.